20
Jul
2010

Das Dorfmonster

es lebte in einer tiefen grube
es ging mittags spazieren
pflückte rosinen
hatte keinen bart
aber träumte das monster hatte er einen

einmal träumte er
er hätte so einen großen bart
dass er die ganze welt zudecken konnte

aber dann zwickte ihn etwas
es war sein name
er wurde gerufen
er zwickte immer wenn er gerufen wurde

die dorfbewohner riefen ihn solange
bis er wach wurde
sie riefen
wo bleibst du denn solange
anna schläft
sie will diesen roman träumen
von dem sie sich ein schiff kaufen kann

was habe ich denn davon
rief das dorfmonster
seine augen wurden ganz pelzig
er fror
er umfasste sein kinn
kein bart
wortlos ging er den leuten hinterher
die nach kautabak stanken
und etwas in die luft warfen
dass er nicht verstand

anna stand am dorfeingang
sie zeigte auf seine augen
das beruhigte ihn
er schlief auf der stelle ein

Ich war Lolita

ich war lolita
ich tanzte in den augen der tränenlächler
ich war ihr haarwuchs
ihr seidenstrumpf

ich überging die langen flüsse
ich war es tatsächlich

ich liebte das wort reifenpanne
es machte dass ich
mit meinen augen in die
nacht sehen konnte

die nacht war die gewöhnung
an alles geschmacklose

ich hörte die wachen schritte
die augen die sie kämmen
ich sah in den leeren sätzen
ich eilte davon bevor ich sie wahrnehmen konnte

ich war lolita
ich war die aktivistin der angst
wenn sie mich vergaßen war es das beste
die nähe
die schon besiegt schien
kehrte wieder zurück

ich war lolita
meine tränen wissen das
sie sind noch nicht vertrocknet

Raymond Queneau
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