9
Mai
2008

8
Mai
2008

was frauen betrifft

was frauen betrifft
so mag er die
die lange
vor den postkartenständen stehen
mit den
glückwunschtelegrammen im mund
die sprachlos werden wenn man sie berührt (wenn sie das
nicht wollen sperren sie ihre gefängniszellen auf)

die über den nebel schreiben
dass er da gewesen ist und bleibt
wilde schattenspiele
erkennst du die nacht schon
du knaufendes krabbelschweigen
du spitzer mond

komm
brenn dich auf meine schulter
und lach sie nicht aus
die sätze
die ich verschweige
das denkt er
und holt
die alten staubtücher aus dem mund
und kämmt sie grade

Auf der Hut

man muss als schreibender auf der hut sein
das ein lesender einem das wort nicht
einfach wegnimmt
und es unter seine hutschachtel legt
aber falls es doch geschieht
muss man unbedingt warten
bis der leser eingeschlafen ist
dann klettert man unter die hutschachtel
und legt sich unter das wort
da wird der leser aber augen machen wenn er erwacht

7
Mai
2008

drei zu eins und das passende Gedicht dazu

(für Eintracht Frankfurt.....)

heute
brennt
das licht
in den
flutlichtmasten
wie selbstgebrannter slivovitz

heute
funkelt es
stauseen
in den trikots
der anderen

heute wird
es schwierig zu sagen
ich möchte ausschlafen
morgen
beginnt die nacht doch erst

Zu viel Tote

so viele nächte
so viel worte
so viel augen
die in die luft starren
soviel nächte
so viel worte
tragetaschen werden gefüllt damit
man redet sich ein
in die luft zu schauen
hinabzublicken
alles ist schwer
auch das fehlen
das fehlen von worten

ein blauer mond ohne tatendrang
was soll er machen
was kann er tun
so viel nächte
so viel tote
wie viel schon gezählt
wie viele tauchen noch auf

am morgen
wenn der rand zwischen
den sparsamen sätzen wartet
und man nicht immer weiß
was einem blüht
was blüht schon
wenn einem für einen moment klar wird
wie schnell man
nur noch schweigen kann

zu viele tote
zu viele worte
besser ist es
zu schweigen
und ratlos zu sein
mit all dem was man hat
raus zu gehen

die trauer in den nächten
tragen
den morgen
der alles erkennt
auch das zählen
das einfach nicht aufhört

6
Mai
2008

unter der türe

sein hund sitzt auf einem der stühle
er wirkt gefasst
die glühbirnen müssen ausgetauscht werden
der tisch wirkt unruhig
der fernseher läuft
eine moderatorin ruft dem volke zu es soll die klappe halten

ihm ist jetzt schwindlig
er möchte die augen schliessen
doch er kann nicht
und er kann nicht weil er sie längst geschlossen hat
er sieht im traum
seinen tisch
seinen hund
er sieht das fernsehen
er schaut hinein
eine moderatorin ruft das volk zum aufstand auf

er steht im flur
dort liegt sein hund und es kommt ihn vor als träume der
das fernsehen läuft
eine moderatorin beißt in einen vergifteten apfel
das volk weiss was es bedeutet in einen vergifteten apfel zu beißen

5
Mai
2008

Der Watzmann ruft - Die Knechte 1

Der Watzmann ruft - Der Bua ziagt aufi

gestern

gestern
ich erzählte es dir
als ich am morgen aufstand
da waren geräusche
ein aufstand
dachte ich
und stand nicht auf
ein aufstand verheißt nichts gutes
ich stand aber trotzdem auf
ich ging in die küche
öffnete das fenster
ich sprang heraus
und sah auf der stelle
den tod
er schwieg
er war berühmt für sein schweigen
niemand konnte so schweigen wie er
wenn er schwieg
schwieg die ganze welt
aber immer nur kurz
und dann.........................
ich ging nicht in die küche
ich blieb in meinem zimmer
starrte an die decke
ich könnte das fenster auch hier öffnen
ich stand auf
ich ging in die küche
ich öffnete das fenster
da war nichts
kein aufstand
nur ein paar bauern die ihre traktoren nicht verstanden

4
Mai
2008

vielleicht ein morgen

oder das jemand aus dem fenster
und plötzlich etwas erkennt
und das er nicht weiß
ist das dort ein durchreisender
oder will er bleiben
für immer
werden ihn jedenfalls begrüßen
mit lauten luftgewehren
nur zum spass
die hähne krähen schon
sie wissen das ein guter rat
auch teuer sein kann
und das alles seinen preis hat
so war es schon früher
als wir um das kindsein tanzten
als wäre es für immer
saßen in den wiesen und trockneten unsere tränen über ein verlorenes spiel
das mussten wir nicht verlieren
nach dem sechzehnzunull gegen uns
gaben wir zu schnell auf
gaben den fliegen die schuld
die auf unserer nase tanzen
lagen auf der wiese und weinten
und die wenigsten wollten am nächsten Samstag wieder hin
kamen aber alle wieder
mit dem festen willen
nicht zu verlieren
für immer als gewinner vom platz zu gehen
und so öffnen wir jetzt die fenster
spiegeln uns in den alten niederlagen wieder
und erinnern uns
wie wir in die pfützen sahen die immer zu uns hielten
und so betrachten wir alles wie nie gewesen
wie etwas dass man immer erfindet wenn man
etwas neues sucht dass man mit dem alten verwechselt
und so sehen wir den fremden hinterher
der sich vielleicht nur verirrt hat
der ganz woanders hin wollte
weil er das aber nicht findet bleibt er eben hier

Iggy Pop/Goran Bregovic - In the Death Car

3
Mai
2008

kochrezept um zehn minuten vor neun

wir nehmen zwei aufgeschlossene türen
und schließen sie

drei esslöffel milch
wir suchen einen topf

wenn wir nach fünf minuten noch immer keinen topf gefunden haben

wir finden den topf
wir vergessen die drei esslöffel milch nicht

wir beginnen zu zittern
wir verlieren die drei eßlöffel milch

wir reden über unser alkoholproblem
wir sitzen in der runde
und wir finden es gut
das wir in der runde sitzen
und wir finden es gut
das wir über unser alkoholproblem reden

die nacht beginnt unter den vorhängen der
selbstmörder brennt noch licht
sie fühlen sich an tagen wie diesen wie nie geboren

auswärtssieg

(gedicht für Eintracht Frankfurt)


da geht ein tor
durch die stadt

es ist rund
und
sparsam

es lacht
gottgefällig

es summt
ein lied

es schweigt
es lacht

es ist rund
und sparsam

da geht ein tor
durch die stadt

das ist rund
das ist sparsam

das lacht
gottgefällig

das rollt
das rollt

das rollt
ins tor

das rollt ins tor
von stuttgart
das rollt
ins stuttgarter tor

das sinkt hinab
ins tor

da fällt es
da fällt es zusammen
mit dem wind
ins tor

das ist
das nullzueins
und dabei bleibt es auch
gefälligst

Goran Bregovic - So Nevo Si (Erkekler, Ya Rayah)

2
Mai
2008

er wollte salami kaufen

hinunter zum flur
dann zur küche
in der ein hund in den boden versank
weil er plötzlich miaute
bäume waren unten
die wurden frisch gestrichen
morgen würde der bürgermeister kommen
um sich alles anzugucken hatte er sich extra
ein fernglas kommen lassen

er ging los
fast im frack
aber dann doch bloß mit hut
spazierstock
pulli oder t-shirt
graue sentimentalhose
er beäugte die strasse
er hatte sie gerne
zumal wenn sie leblos war
immer hatte er dann das gefühl sie gehöre ihm
ein paar kinder verkauften salzstreuer um ihre eigene familie vor der armut zu bewahren
aber niemand kaufte sie
da weinten sie und
gingen zu ihm
er aber schüttelte den kopf
das war herzlos
das wusste er

er wollte salami kaufen
wenn er glück hatte brauchte er nicht anschreiben
aber anschreiben war ohnehin nicht
die zeiten fürs anschreiben waren vorbei
aber nicht fürs einschreiben
er wäre beinah gegen eine frau gerannt
die hatte ein einschreiben in der hand
ihr liebster fragte sie in dem einschreiben was sie von der fortpflanzung hält
endlich hatte er den laden erreicht
salami dachte er
ich kaufe salami
aber als er sah dass es soviel verschiedenes gab
war er unsicher
vielleicht wieder zurück
die gedanken sortieren und wissen was man möchte
kääse rief eine frau in einem stillen matosenanzug
sie hatte einen kaffeefleck auf der nase
aber das konnte man nur erkennen wenn man dicht bei ihr stand
er stand dicht bei ihr und sah den kaffeefleck
er tat so als sehe er ihn nicht
doch er sah ihn
käse rief sie
aber meine dame rief die bedienung
der herr ist dran
aber ich weiß was ich will
rief die frau
ihr matrosenanzug war hübsch
konnte man dass so sagen
ihr matrosenanzug war hübsch
es war Dienstag
kinder wurden geboren und sahen zum ersten mal in eine welt mit der sie nichts anfangen konnten
bilderrahmen fielen um
schokolade wurde gestohlen
die nacht aber gehört den vögeln
die ihren schlaf wachhielten damit sie
während sie träumten immer wussten
wohin sie am anderen tag fliegen
salami dachte der mann und schob seine
augen zur seite
die sahen nämlich dauernd auf dem kaffeefleck
und er wusste doch dass es nicht sein durfte
dass er nicht auf den kaffeefleck sehen durfte

es war wie in den unveröffentlichten gedichten
von hans-jürgen seiselt...
erst schuf gott die erde und dann kümmerte er
sich nicht mehr drum

er schwieg
er dachte
wenn ich schweige
werde ich es bald wissen
er schwieg
er schwieg sehr lange
aber er wusste es immer noch nicht
die frau
mit dem kaffeefleck auf der nase
starrte ihn an
sie dachte
vielleicht ist der mann krank
und braucht eine salbe

sie nahm ihn mit
sie hatte keine große wohnung
aber sie rieb ihn mit der salbe ein
er sagte
du hast einen kaffeefleck auf der nase
logo

Ein Geräusch das man nicht hören kann

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