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10
Feb
2010

gedichte für moralische gefestigte leser 3

Abschied von einem lieben Gefährten

Jürgen macht sich ruhig locker
blickt noch mal nach rechts und links
legt die Klöten auf den Hocker
und die Schleife um das Dings.

Gut, denkt er, das lässt sich sehen
wenn auch nicht mehr hundert Pro
sollt' das Ding jedoch nicht stehen
wird's verklagt, in dubio.

Für den Angeklagten, sagt man
doch der senkt beschämt das Haupt
Meister J. geht's denoch forsch an
und legt's Dingsbumms in den Staub.

Wie es guckt und plötzlich zappelt
wie's sich noch mal recken will
doch zu spät, gleich wird's zerhackelt
Ruhe Ding, sei endlich still.

Lass mich bloß mit dir in Frieden
deine Launen bin ich leid
hattest Zeit genug zu lieben
jetzt nimm Abschied, sei bereit.

Schade, sagt das Ding, wie schade
meine Klöten hätten was in petto
lass Sie einmal walten noch, die Gnade
dann belohne ich dich Netto.

Nein, sagt J. ich will nicht mehr
oder will ich vielleicht doch
droht mit seinem Schießgewehr
schießt und dann ist da ein Loch.

Hach, wie tragisch auch, dies Ende
ging es denn nicht ohne Blut
alles rot, sogar die Wände
Wiedersehn, ich nehm' den Hut.

Mach mich ohne Dings und Klöten
fröhlich auf die Wanderschaft
soll mir doch der Nachtwind flöten
was die Libido nicht schafft.

Elke erzählt was über die arme Frau Hegemann

manchmal möchte man sie wegblasen
alle
die verteidiger und die kritiker
die kritiker fast mehr als die verteidiger

es ist so leicht im recht zu sein gell
und es ist so geil oder

ich spüre ein verlangen mir die haare kurz zu färben
mir eine portion gesalin einzuspritzen
und über mein irrsinniges vergehen nachzudenken

fliehen ist die kunst leute
nicht dort stehen wo alle stehen

aber das hört keiner
alle betrachten die welt nur wie man es verlangt
und verlangen tut man in der welt menschen
menschen die jung sind
die gut aussehen
die scheisse rufen oder so
und die echte coole sachen sagen so wie

genialität gibt es nicht und so einen mist

und jetzt schnappen sie alle über weil
die frau in die mausefalle getapst ist
mitten hinein ist sie gelaufen
mit unsichtbaren schritten
und ich sag euch was
mir wäre das auch passiert
aber bei mir hätte es besser ausgesehen

Meine Drogengeschichte

mit dreizehn rannte ich den dealern die bude ein
ich machte ihre wohnung sauber
ich putzte ihre pistolen
ich hatte sogar sex mit ihren geschwistern
sie trauten ihren augen nicht
als ich ihnen zum geburtstag eine torte strickte
sie wussten nichts mit mir anzufangen
ich versprach ihnen die richtigen lottozahlen
ich bat um kokain
sie gaben mir etwas hasch
sie trockneten es ab und klebten es an meine fahrradstange
ich ging in drei grund verschiedene puffs
ich stellte mich vor
sie nahmen mich alle drei
ich hatte einen guten freier
er hieß horst
er las mir jugoslawische märchen vor
und erinnerte mich an
eine tafel schokolade
er hatte einen runden bart
und atmete schlecht
als er an einer überdosis starb war ich traurig
er hinterließ mir seinen hut mit dem ich mich in den abgrund stürzte
lesen sie diesen roman weiter
er wird demnächst im sinnlos värlag erscheinen
und dort werde ich beschreiben
wie ich der nutte gina das leben erklärte
wie ich am rande der stadt lag und heroin anpflanzte
wie die tauben mir alles wegnahmen
und ich wie ich erdnüsse ausspuckte ohne welche gegessen zu haben
und wie ich anfing mich für dieses leben zu interessieren
ich stellte mir einen globus auf den bauch
und ließ ihn routieren
ich rauchte hasch und sah wie es hinter helgoland plötzlich immer nasser wurde
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