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Gespräch unter Tauben
erste taube-um sich besser in der welt zurecht zu finden muss man tun als sei man taub
zweite taube- die möglichkeiten sind alle da, ein pfiff und wir kommen
dritte taube- ich traf eine windhund auf dem flur, er sagte, er wolle gerade einen igel verteidigen, ich frage ihn, wie soll denn das gehen, sagt er, wenn man will bleibt selbst die zeit stehn, aber dann hatte er es eilig und konnte es mir nicht mehr erklären
vierte taube- ich glaube die literatur, ich weiß nicht recht, ich glaube nicht dass sie noch existiert, es gibt da einiges und es ist gut, aber dann, immer wenn ich im trockenen stehe denke ich an früher und ich seufze denn früher war es auch nicht besser
fünfte taube- wir sollten eine gruppe gründen die sich um das knopfloch kümmert, keiner kümmert sich um das knopfloch, das scheint mir nicht ganz nachvollziehbar, wenn man bedenkt was das knopfloch schon alles getan hat für uns
sechste taube- ich bin die sechste taube und ich bin froh dass ich nicht in begleitung bin, ich finde es nicht gut in begleitung zu sein, irgendwie hat man da immer gefühle
siebte taube- ich habe immer gefühle, auch wenn ich im kreis laufe oder ein gedicht höre, gestern habe ich wieder eins gehört und schon hatte ich wieder gefühle
achte taube- ich habe meinen beitrag geleistet, jetzt bin ich leer, nichts mehr da, nicht einmal mehr nach körnern picke ich, das habe ich übrigens noch nie getan, hat man das schon gehört, eine taube die nicht nach körnern piekt, ich sollte mich schämen und ich schäme mich auch, keine nacht in der ich nicht daran denken muss. werfe ich mir etwas vor? halte ich mich für etwas besseres? oh ja, ich werfe mir etwas vor, ich werfe mir vor, dass ich mich für etwas besseres halte.
neunte taube- die welt ist eine ganz andere, die welt ist nicht das was wir sehen, was wir sehen ist nur ein abstand, es ist die welt nicht, wir erreichen die welt nicht, wir können sie nicht erreichen, es ist nicht unmöglich, aber wir erreichen sie nicht, vielleicht weil wir nicht wollen, aber selbst wenn wir nicht wollten könnten wir sie erreichen, es muss etwas anderes sein..
zehnte taube- ich hob gestern einen kieselstein auf, er war schwer, er lag auf einer brücke, ich dachte mir warum hebst du ihn nicht auf. immer wenn ich abends losgehe denke ich das, immer finde ich etwas dass man aufheben kann und dann hebe ich es auf.
elfte taube- wenn wir nicht fliegen könnten, stellt euch das einmal vor, stellt euch vor wir könnten nicht fliegen, dann wüssten wir es, glaubt mir dann wüssten wir woher der hunger kommt, dann wüssten wir es gut, dann wüssten wir gut woher der hunger kommt.
zweite taube- die möglichkeiten sind alle da, ein pfiff und wir kommen
dritte taube- ich traf eine windhund auf dem flur, er sagte, er wolle gerade einen igel verteidigen, ich frage ihn, wie soll denn das gehen, sagt er, wenn man will bleibt selbst die zeit stehn, aber dann hatte er es eilig und konnte es mir nicht mehr erklären
vierte taube- ich glaube die literatur, ich weiß nicht recht, ich glaube nicht dass sie noch existiert, es gibt da einiges und es ist gut, aber dann, immer wenn ich im trockenen stehe denke ich an früher und ich seufze denn früher war es auch nicht besser
fünfte taube- wir sollten eine gruppe gründen die sich um das knopfloch kümmert, keiner kümmert sich um das knopfloch, das scheint mir nicht ganz nachvollziehbar, wenn man bedenkt was das knopfloch schon alles getan hat für uns
sechste taube- ich bin die sechste taube und ich bin froh dass ich nicht in begleitung bin, ich finde es nicht gut in begleitung zu sein, irgendwie hat man da immer gefühle
siebte taube- ich habe immer gefühle, auch wenn ich im kreis laufe oder ein gedicht höre, gestern habe ich wieder eins gehört und schon hatte ich wieder gefühle
achte taube- ich habe meinen beitrag geleistet, jetzt bin ich leer, nichts mehr da, nicht einmal mehr nach körnern picke ich, das habe ich übrigens noch nie getan, hat man das schon gehört, eine taube die nicht nach körnern piekt, ich sollte mich schämen und ich schäme mich auch, keine nacht in der ich nicht daran denken muss. werfe ich mir etwas vor? halte ich mich für etwas besseres? oh ja, ich werfe mir etwas vor, ich werfe mir vor, dass ich mich für etwas besseres halte.
neunte taube- die welt ist eine ganz andere, die welt ist nicht das was wir sehen, was wir sehen ist nur ein abstand, es ist die welt nicht, wir erreichen die welt nicht, wir können sie nicht erreichen, es ist nicht unmöglich, aber wir erreichen sie nicht, vielleicht weil wir nicht wollen, aber selbst wenn wir nicht wollten könnten wir sie erreichen, es muss etwas anderes sein..
zehnte taube- ich hob gestern einen kieselstein auf, er war schwer, er lag auf einer brücke, ich dachte mir warum hebst du ihn nicht auf. immer wenn ich abends losgehe denke ich das, immer finde ich etwas dass man aufheben kann und dann hebe ich es auf.
elfte taube- wenn wir nicht fliegen könnten, stellt euch das einmal vor, stellt euch vor wir könnten nicht fliegen, dann wüssten wir es, glaubt mir dann wüssten wir woher der hunger kommt, dann wüssten wir es gut, dann wüssten wir gut woher der hunger kommt.
Sturznest - Mi, 17. Jan, 18:13



















