20
Jan
2007

Mond

ich warte auf den mond
darauf
dass er zur besinnung kommt
darauf
dass er mich berührt in der nacht
wenn ich zahlen zähle statt schafe
wenn ich hinter das licht schaue und sie frage
können lippen eine berührung vergessen

die einfachen fragen stellen
wie steht es mit anne sexton
haben sie sie schon durch
kann man mit einer dichterin und ihren gedichten durch sein
und was ist mit der lavant
mit der christine lavant die wenn sie etwas zu
gertrude stein gesagt hätte
vielleicht gesagt hätte
sie haben recht frau stein, man muss jeden tag ein gedicht machen
um der welt zu entkommen..

die lippen sehen immer gleich aus
nur die entdeckung
auf die entdeckung kommt es an

ein stein

eines morgens ging ich aus dem haus
ich wollte ins feld um dort ein sahnebonbon zu essen
ich fand es das allernotwendigste an diesem morgen hinaus zu gehen
ins feld zu gehen und ein sahnebonbon zu essen
ich zertrat dabei bestimmt ein paar ameisen
man hörte kein knirschen
kein wehen kein letztes atmen
und trotzdem hatte ich den eindruck dass es unter mir besinnungslos
zuging
vielleicht ertrug ich diesen gedanken nicht denn es kam vor
dass mir das sahnebonbon entglitt und ins feld rutschte
das feld sog es auf und ich musste nervös und angeschlagen
nach hause gehen
zuhause hatte man die fenster geöffnet und den kühlschrank
gesäubert
das müsse so sein sprach juliane
juliane war damals eine frau und sie ist es auch noch wenn
ich nicht über sie schreibe
sie war es auch vorher schon
juliane malte bilder und ich hatte kein verständnis
immer fragte ich sie
warum tust du das und juliane sagte
weil es mir schmeckt
sie aß hirsebrei am morgen und ich hätte viel lieber
im wald übernachtet als am nachmittag mit ihr durch
die stadt zu schlendern
alle paar meter traf sie einen ehemaligen
sie unterhielten sich tauschten rezepte aus
und wenn ich fragte wer das war
sagte sie stets
das ist ein artverwandter deiner kerstin
kerstin war damals verheiratet und zwar mit mir
sie trug einen pferdeschwanz und hatte ideen die aus dieser unförmigen welt
einen palast gemacht hätten
leider wollte sie keiner hören
und das verstand kerstin
deshalb band sie sich die schuhe eines tages fest und sagte
komm wir gehen
ich sah sie verwundert an und fragte wohin
ins feld
rief sie
und was tun wir da
wir schauen den vögeln zu
sagte sie
es war da ein rufen und ein sagen damals dass man sich daran die hände nicht waschen konnte war fast ein wunder
mit kerstin war es wirklich gut
von zeit zu zeit hörten wir unseren wasserhahn zu ohne ein wort zu sagen

also gingen wir ins feld
ich hatte meine rote jacke und meinen spitzen hut an
kerstin trug dunkle lippen einen hellen mantel und eine vertikale hose
in ihren augen blinzelten gedichte von neruda
deshalb brauchte ich nur in ihre augen sehen
um die welt wie einen faden zu erkennen
einen faden der mir beiläufig erklärte
das alles was wir sehen das seltsamste war und
dass man schon blind sein musste um die nacht vor dem tag zu retten
da lagen wir also im feld und die vögel tanzten um uns herum
kerstin sagte
ich würde dir gerne von thomas erzählen
ich sagte
erzähle mir von thomas
und kerstin erzählte mir von thomas und ich wollte es gar nicht hören
später kam thomas vorbei und die beiden verschwanden in irgendeinem haus dieser
sorgenlosen stadt
manchmal wenn ich sie traf hatte ich das gefühl ich wäre nie mit kerstin zusammen gewesen
ja es schien so als hätte juliane recht wenn sie sagte
wenn man einer nadel das ganze heu schenkt wird man sie danach nicht mehr sehen
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Ich trockne meine Zeilen ab

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