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2
Feb
2007

als ich ein gedicht von anne sexton las

als ich ein gedicht von anne sexton las
dachte ich wie erdig die angst bleibt
wie leicht man sie bemalt und zerbrechen kann

wie hier der irrtum über uns die hand schützend hebt
wie alles plötzlich in uns lacht
als gingen wir auf knien vor ihm her

es gibt für keinen moment eine beweisaufnahme
kein gesicht ist das gesicht in dass du schaust
und keine träne verändert sich nur weil einer sagt
es ist doch nur eine träne; lass sie fallen

der surrealistische stadt

am ende glaubte man alle systeme ausprobiert zu haben
ziemlich anmassend stand man da
man wusste nicht mehr woher und worin etwas kommen
könnte
die leute fingen schon an mit begeisterung an ihren kreditkarten
zu knabbern
in der ganzen stadt wurden orte verteilt

der harnisch zertrat sich die beine
aber der harnisch hatte so viele davon
es fiel gar nicht auf

wildfremde menschen redeten sich in cafes an
und einige landeren in einigermassen weichen betten
um sich um die stellungen zu kümmern
die im cafe erwähnt und durchleuchteten wurden

ein surrealistischer pferdedieb
ein sureallistischer hund
ein surrealistischer glaube
ein surrealistischer traum

ich träumte (linkisch)
ich saß auf einer bank und vor mir und hinter mir
ging die welt unter
ich dachte meinem propheten geht es nicht gut
er hat überhaupt keine gedichte mehr gefickt

die unartigen kinder fand man oft auf
den katzenbäumen
sie wollten es den katzen nachmachen
die sich mit fliegen eindeckten um sich vor den fliegen zu schützen

oh gott oh gott
surealistische bilder durften nicht mehr in
streifen gezeichnet werden
sondern nur mit genehmigung des müllmanns schmidt
der aber war schwer zu beeinflußen
es sei denn man habe surrealistischen schnaps

Als Kafka mich einmal nach einem Taschentuch fragte

ich fühle mich wie neugeboren
im vergleich zu damals
ich war überhaupt nichts
es war nicht zum aushalten mit mir
ich schrieb ein paar verse
wenn man senf drauflegte gingen sie halbwegs
ich trug die socken meiner großmutter
mein großvater war im krieg
er war immer irgendwo im krieg
und irgendwann war er tot
fragen sie nicht
lesen sie dieses gedicht
und kommen sie dann wieder... http://www.myblog.de/winnieshuegel/art/91806104
ich versuchte das leben damals zu geniessen
ich hatte verwandte
die verstanden das nicht
aber manche von ihnen brachten mir das laufen bei
vielen dank dafür
wir saßen damals gerne in den kneipen
und redeten über alles was uns anstiess; abstiess; was uns weckte; zornig und fröhlich machte
ich hatte mich verliebt; in irmi
aber irmi lebte in vielbrunn
deshalb war ich in prag
irmi liebte mich nicht
wir unterhielten uns auch darüber
warum irmi mich nicht liebte
alle sagten
ich sei schuld
ich mache es allen so schwer
auch jetzt schau ich so als wäre das ein tribunal und jeder verlange ein schuldeingeständnis
nur kafka sagte nichts
das lag auch daran dass er an einen der anderen tischen saß
dort sagte er schon was
er griff immer nach seinem taschentuch und einmal
fragte er mich
ob ich eins habe
und ich idiot sagte
nein
dabei stimmte das nicht
ich hatte immer taschentücher dabei
kafka aber lächelte nur und sagte
ich versteh das

Mitunter verlasse ich das sinkende Schiff

wozu brauchen wir die aschenbecher
fragte der kapitän auf dem bild von
ute
ute war neunzehn gewesen
einst
bevor sie so alt war
wie ich
sie kann sich dennoch gut
an alles erinnern
als sie damals das bild malte
dachte sie
ich wette dass ich fünfundvierzig werde
und eine mütze trage
einen schal
einen pullover
ich werde mir tomaten kaufen
und ein gedichtband von christine lavant
ich werde mich ungesund ernähren
aber tomaten kaufen
ich werde sie in scheiben schneiden
ganz sparsam gehe ich damit um
und dann weiter hinten stell ich mir das meer vor
wie köstlich es rauscht
als rufe es: ute
wo bleibst du und
bring die tomaten mit
und dann weiß ich nicht ob es ein fehler war sie in scheiben zu schneiden
es war sicher kein fehler würde ich denken
und auf meinem stuhl sitzenbleiben weil das meer viel zu weit ist um mich zu rufen

*
natürlich kann man etwas sagen
es rufen
es schreiben
man kann sogar spazieren gehen
an einem fluß
das geborgte geld liegt gut in der tasche
ich schaue sie an
sag
schau nur wie grün der fluß ist
und sie
du wirst ganz sicher wieder etwas über meine augen sagen

kleine ameisen laufen an uns vorbei
sie suchen die stelle in der das vergessen liegt
sie haben versprochen es zu finden und ich stelle mir ihre ratlosen blicke vor
die immer ratloser werden desto länger ihre augen still stehen

...

da ich ohnehin schon schlafe
schreibe ich diesen text
in meiner abwesenheit

es gibt etwas und
das nennt sich
zu nennen zu
nennen ist es
nicht
aber zu nennen
während ich
in meiner abwesenheit
im lichte meiner dunkelkammer frage
ob ich das internet bin
oder das internet eine nette scheibe
wurst die morgen sehr ranzig wird
wenn ich nicht aufhöre sie zu zählen
einst war ich
aber das ist lange her
und während meiner abwesenheit
trinkt mein ich
eine art getränk
und ich schaue zur decke und frage mich
wenn ich das internet bin
wer ist dann der
der mich schreibt während meiner abwesenheit
ich könnte darüber reden wie ich als
kleiner junge heimatlos spielte
und mir beim nachhause gehen
immer vorkam wie einer der gar nicht
nachhause gehen kann eben weil
er kein zuhause hat
und als ich in meinem bett lag
fragte ich mich
ob ich eines tages aufschreiben
werde dass ich als kleiner junge
im bett lag
aber davon kann keine rede sein
ich sitze still an irgendeinem ort
alles erscheint mir befremdlich
ich frage mich
wenn ich einen sekundenkleber
und ein badetuch zusammenbringe
ist es dann liebe
oder ist etwas dass man nicht aussprechen darf
ist es liebe
formel gesehen ist es keine liebe
ist es liebe
fragen wir das handtuch
das handtuch sagt
ist es liebe wenn ich dich staunend ansehe
von sekunde zu sekunde das gefühl habe
dein feuchtes wesen wird immer härter
ist es liebe
wenn ich mich an dich schmiege
die luft zur seite lege die ich in diesem moment nicht gebrauchen kann
ist es liebe wenn die begeisterung wächst
das gefühl der inneren vereinigung
ist es liebe oder ist es nur ein scherz
ein scherz der sich an mich schmiegt
immer fester wird
sich nicht mehr von mir entfernt
ganz hart wird
so dass man fast hineinbeissen möchte
es ist meine abwesenheit die zurückkommt
die bäche sitzen tief
sie wissen beim nächsten regen
werden sie wieder meeresspiegel spielen
sie spiegeln sich in einem großen breiten gefilde
sie atmen die luft von pumpen
sie schweigen
die fische aber treibt die sehnsucht ins dorf
sie verlassen die bäche und ziehen in die supermärkte
und was sagt der sekundenkleber
der sekundenkleber sagt
am rande standen wir und sahen nichts
ganz müssig ist es zu sagen wie sehr du
mich annahmst
ich verlor einen tropfen von mir und schon
gehörte ich zu dir
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