8
Mrz
2007

Frau Lavant,

das licht fängt an zu schauen
es ist so ein schauen als ob
die nächte zusammenwachsen
und jeder der in der dunkelheit
noch etwas erkennen kann
furcht bekommt
weil es egal ist ob er die augen schließt
oder nicht
du öffnest ein buch
du schliesst es
du kommst von etwas zurück
das für einen augenblick
nur dir gehörte
aber dann gibt man die worte der dichterin wieder
die eine von denen ist die ihren schatten in die nacht schütten
und nur deshalb kann man alles erkennen

DAS GROSSE THEATER

bin ich schon wieder soweit dass ich aus den rufen dort draußen
pullover stricken will
dort draußen wo sie hängen
die opfer der radio und fernsehwerbung
gestreifte nesseln
zwischen den augen ein telefon dass den ganzen tag ein leben
ohne zwischenspeicher verspricht
die äpfel hängen auch dort aber sie sind noch vom nebel verhangen
man kommt einfach nicht dran
ich frage mich auf wen ich warte
ich habe mir einen apfel geschält
das war schön
das würde ich gerne noch einmal machen
der nachbar hat einen sack kartoffeln bestellt und den bringen sie jetzt
er ist sturzbetrunken und kann die türe nicht öffnen
sie werden bei mir klingeln und mich fragen
wie lange das dauert bis er wieder nüchtern ist
aber auch ich bin nicht mehr nüchtern und doch werde ich sie bitten die kartoffeln hier zulassen
ich sehe nach draußen
alles kommt mir so unwahrscheinlich vor
die menschen umarmen sich
sie haben sich lieb
sie begleiten sich nach hause
sie spielen versteck
sie sagen es nicht
aber sie spielen versteck
da fallen zäune
da fallen menschen von bänken
sie rücken zusammen
trinken brüderschaft
ich weiß dass
ich war schon dabei
ein blinder mann sucht eine umarmung
ein schrei greift in die leere
sonst nichts

...die anderen

mit den blicken der anderen
mache ich strophen
sage ich
HALt
sage ich
gewiss
ich werde halten
ich werde mich noch verkühlen
ich werde solange in der sonne stehen
bis wir wieder von trennung reden
und die bahnhöfe
die unsere wege streifen
benutzen unsere sätze und machen fahrkarten daraus

irgendein spiegelbild am horizont
zwischen den hohen und tiefen rängen
dort wo die butterdosen stöhnen
und ein bißchen mehr verlangen als immer nur die wahl
zwischen gestern und einer anderen erinnerung

vor jedem tag machen wir halt
wir haben alles richtig gemacht
in diesem satz steckt mindestens ein fehler
wenn wir ihn finden werden wir ihn streichen
und uns immer wieder zusammenfügen

zwischen den gleisen ein rauher duft hoffnung
das bleiben und gehen manchmal dasselbe sind
als hätten wir uns alles nur ausgedacht um es später zu verstehen

An die Erinnerung



erinnere ich mich denn gerne an den lumpensammler horst- der wie der ewige herumsprang und dem die anderen ins gesicht traten
nachts
wenn die zähne unter der langeweile litten und die ouzoflaschen umherkreisten
nachts
wenn das gebälk in die zungen kroch und man selten wusste wer etwas tat
noch weniger-warum
erinnere ich mich an die launen des lumpensammlers?
nachts
wenn er unter den stunden litt
wenn sie die augen nicht schlossen und sich um ihn drehten
wenn sie ihm zuflüsterten
alter das ist jetzt wirklichkeit und er wusste nicht ob es das wirklich war
..........erinnere ich mich an seinen schwarzen hund der neben ihm glänzte?
(wie ein raubtier sah er aus in der nacht und wie ein schaf am tag)
einmal wagten wir es ihn zu streicheln
er tat uns nichts
er sagte sich: das laß ich mir gefallen; auch wenn ich es bereuen werde; aber tatsache ist-sie werfen nicht mit steinen nach mir; noch nicht
......................eines tages war alles verschwunden
die plätze hinter denen wir herrannten gab es nicht mehr
überall grenzte man uns aus
und ich weiß nicht ob das alles erinnerungen sind die man sich einredet weil man glaubt
die eigentliche wäre noch grausamer; noch drahtiger; noch langweiliger
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