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13
Mrz
2007

Die Igel und HasenGeschichte





„weißt du was...“
mitten im satz wurde der hase vom igel unterbrochen
„...weiß schon was du mir sagen willst...“
„...nichts weißt du“ unterbrach der hase schroff
„doch...ich weiß es..mein großvater hat es mir erzählt“
„dein großvater fantasierst......“
der igel dachte nach; das stimmte in letzter zeit fantasierte sein großvater dass es nicht mehr schön war
abends saß er oft auf einem hügel und sprach mit dem mond den er für einen genossen hielt
„dann erzähl halt“; sagte der igel nun ganz lieb
„auf einmal“ sprach der hase und stellte sich stur
„komm erzähl schon...ich sag dir dann hinterher ob es stimmt oder nicht“
„du bist ein dummkopf; ich wollte mit dir spielen“
„was wolltest du denn spielen“
„hase und igel; aber wozu! das ist ja unsinn; ich bin ohnehin schneller“
der igel grinste
„nein ich bin schneller wetten wir; wer verliert muss dem anderen erklären was eine fabel ist“
da freute sich der hase und kratzte sich ans ohr; das tun hasen immer wenn sie sich freuen

bei drei ging es los
beide zählten
eins zwei...dann hielt der hase inne
„moment“ sagte er
„moment“ sagte er wieder
„ich kenne diese geschichte“ sagte der hase
hase und igel
beide standen startbereit
sie wollten bis drei zählen und bei drei losrennen
der schnellste hätte gewonnen
der igel konnte nicht gewinnen das war nicht möglich
der hase wusste das
er sah auf die beinchen des igels
er dachte an diese geschichte
an diese eine
an die sich immer wiederholende
„greif doch nicht vor“ rief der igel
„das ist dummes zeugs“ rief der hase
und im tal rief der fuchs die gans an
aber die gans hatte keine zeit
warum hatte sie keine zeit?
wir wissen es nicht
hase und igel sitzen auf einem hügel
„und was ist jetzt eine fabel“ fragte der hase
„ich weiss es nicht“ sagte der igel

Mutter und Kind

mutter und kind gingen lachend über die strassen
luftballons flogen in die luft
es wurde dunkel
das kind sah zum himmel
die mutter fragte: was ist mein kind
: schau dort oben der mond
: ja da ist er, er hat sich die haare gekämmt
: er sieht gut aus
: hässlich ist er nicht das stimmt
: aber er ist stumm
: nein er ist nicht stumm
: du meinst er spricht
: ja klar
: und was sagt er?
: keine ahnung er spricht seltsam
: seine wörter klingen wie gesten
: du bist ein kluges kind
: muss ich morgen wirklich nicht zur schule
: doch du musst sonst kommt die polizei und nimmt den mond fest
: du bist eine alberne mutti
: du bist ein albernes kind
: das stimmt
: ja
: und jetzt
: jetzt schauen wir dem albernen mond zu
: wie er spricht
: und wie wir es nicht verstehen
: der mond ist viel alberner als wir
: das stimmt

(ein Versuch) an Christine Lavant




ihre augen sehen uns an als wollten sie sagen
und was erwartet ihr jetzt von mir

der geschlossene mund
der bereits angekommene satz
bewegt sich hin und her

die dichterin trotzt der kamera
und es freut sie
dass die nicht alles erfassen kann

ein kahler baum im hintergrund
ein w(ach)es gesicht
die augen füllen das wort
das gedächtnis sucht den auslöser
und die hand schreibt alles auf

in ihrem kopf brennt es lichterloh
deshalb trägt sie meist ein kopftuch
damit man ihren brand nicht löscht
und ihr gesicht in ruhe lässt
das eine
das einzige dass man ihr gab




vielmals bedanken möchte ich mich für die Genehmigung (die "Benutzung") des Bildes von Christine Lavant bei
Dr. Annette Steinsiek M.A.
Forschungsinstitut Brenner-Archiv

http://www.uibk.ac.at/brenner-archiv/lavant/bio.html

so viel gemeinsamkeiten

bestimmt eine vase
oder etwas in der art
ich werde sie ins wohnzimmer stellen

bestimmt aus porzellan
sicher nichts wertvolles
aber gut gemeint
wie immer

brötchenreste wären mir lieber gewesen

aber bestimmt gut gemeint
bestimmt sehr schwer
ich darf nicht schwer heben

bestimmt für die zeit die wir miteinander verbrachten
stunden vorm radio wünschten wir uns immer die selben lieder
du in osnabrück und ich in freiburg
und nie haben sie unsere lieder gespielt

wir hatten soviel gemeinsamkeiten

wir gingen so gerne im regen spazieren
wir riefen uns manchmal an
aber meisten vergassen wir es einfach
es war zu teuer

hast du noch licht
fragte ich sie manchmal
sie nickte
ich sagte
schalt es aus

dann sahen wir gemeinsam aus dem fenster
ich stellte es mir vor
wie wir mit geladenen pistolen aus dem fenster sahen
und schliesslich
peng
auf den mond schossen

noch eine gemeinsamkeit
wir haben ihn nie getroffen

ein spaziergang ohne die liebste

vom flur aus kann man den strand sehen
die getauften kinder üben den brückenschlag
und der himmel sitzt da und dort auf den bänkchen
die luft ist ein kleines papier auf dem
lösch mich
steht
der mond kippt um
die ganze gestaltung zerbröselt
die sterne drücken den fallenden einen stempel auf
man hört die schritte der getauften kinder

etwas das klingt

er ahnte dass es erinnerungen gab die sich immerzu verspäteten
vielleicht war es sein bauch der ihm fremd vorkam
er ertrug diesen fremden
er sagte
: dieser fremder gehört zu mir

ein morsches verlangen dieses gedicht nicht zu beenden
es herumtanzen zu lassen wie einen regenwurm

wir hören das summen der gitarren
sie warten alle darauf dass sie eric clapton berührt
aber eric clapton ist weit
und die gitarren warten umsonst

wir hören das summen der geräusche
verstehen es
wir horchen auf wenn das geräusch endet

wir hören die geräusche des grases
des nachtgrases
welch funkelnder anlitz

es vergilbt hinter den scheiben tasten
wir lauschen nicht besonders gut
wir verlangen nie nach verständlicher sprache

wir hören wie jemand etwas beschliesst
das summen und die geräusche sich in den zimmern aufteilen

er wusste dass es eine erinnerung gab die sich immer wiederholte

vielleicht war es seine laune die ihm seltsam vorkam
er sagte
: sie ist seltsam aber sie gehört mir

frau und mann auf dem bahnhof
beide würden gerne etwas sagen
mann sagt zur frau
dostojewski ist kein magenbitter
die frau schüttelt den kopf
und sagt
für wen halten sie sich
der mann: für dostojewski
die augen in den gräbern jucken nicht mehr
sie sehen eine betrachtung aber sie sehen sie an wie
ein geräusch
und geräusche können tote nicht hören
sie winken jetzt völlig grundlos
mann und frau
sie stehen am gleis 5 und warten wie die anderen auf das ankommen des zuges
der zug könnte jetzt bald kommen
: finden sie nicht auch ruft der mann der frau zu
er wollte etwas nettes sagen aber es fiel ihm nur das ein
sie winken völlig grundlos
und trotzdem steigen alle ein
der hintereingang verschwindet
er wird von den bahnhofsmäusen erst beleckt und dann aufgefressen

er wusste dass es eine erinnerung gab die sich immer wiederholte
ein morsches eitles verlangen
das gedicht als gebet
das öffnen der türe
der geruch dünner haut

bittere mandelschuhfächer
sehnsuchtsfahnen
trennung von tisch und bein
stühle kratzer
unterkünfte
ein leerer gegenstand
wassertief die nase
abschiedsbriefe begleiten dich bis zum rand

den Nachmittag aufschlagen
rücken an rücken
bis man wieder sehen kann ist alles verschwunden


er wusste dass es eine erinnerung gab
und dass die zeit nicht ausreicht sie aufzubügeln
sie ohne falten grade zurücken
er wusste dass es nicht ausreicht

...

Das ist jetzt was ganz anderes, aber trotzdem...
bei Elfriede Jelinek heißt es


kippen schlaff von der Ereignislosigkeit ihres Tages gegen die Pneumatore.....


was um gottes Namen ist eine Pneumatore ???????????

Kayah & Goran Bregovic - Nie ma ciebie (Ederlezi)


http://www.youtube.com/watch?v=D6ly1j6vKeM
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