16
Mrz
2007

Opfer der Zeit



: propfen im bauch


: das mittel kenne ich


: schalt das radio aus, ich möchte die musik hören als wäre sie meine

: ist doch deine


: wahr ist es


: ich spreche oft so, du musst genauer hinhören


: du bist also mein freund


: nun..


: mein schicksal


: sagen wir ein vertreter von beiden



: und du hast schokolade mitgebracht


: nein die habe ich vergessen


: du vergisst sie jedes Mal


: du möchtest mir absicht unterschieben


: ich möchte dir ratlosigkeit unterschieben, du bist ratlos wie wir alle.


: wie wer?

: schau dich um


: du hast recht


: ich habe oft recht, du musst mir bloß zuhören


: ich versuche es ja


: kochst du kaffee


: nein


: dann mach ich es


: immer du


: dann du


: nein ich mag nicht


: magst du kaffee?


: ja bitte, schnell husch husch


: magst du es auch so, ich meine daran zu denken


: das einem die luft ausgehen und der atem verschwindet, oh ja, wie oft sitz ich am abendrand und stelle mir vor wie die nacht vergeht ohne dass ich sie beneide


: hast du gebadet


: du meinst?


: warst du bei ihr?


: ich sah sie beim wäscheaufhängen, da dachte ich, geh doch mal hin


: und hast sie gefragt


: ich sagte ihr; ich zahle das wassergeld, aber sie hat nur gelacht.


: erzähl weiter


: sie bekleidete mich in ihr bad, ließ wasser und Schaumbad hinein


: schaumbad das klingt wie schaumwein, erzähl weiter


: sie gab mir ein badetuch


: welche farbe?


: rot oder blau


: du weißt es nicht mehr


: vorhin wusste ich es noch


: aber jetzt hast du es vergessen?


: nein, ich kann mich nur nicht mehr erinnern


: und dann, weiter erzähl was geschah dann


: sie ließ mich alleine


: ja


: ich zog mich aus


: vor ihr?


: sie war doch nicht mehr da


: aber sie tat doch schaumbad hinein


: da war ich noch angezogen


: aber dann warst du nackt


: ja


: du schwein


: warum


: vor ihr



: nicht vor ihr, sie war doch weg



: wo war sie hin?


: was weiß ich, vielleicht hing sie wieder wäsche auf, vielleicht dachte sie auch an eduard dieser blechbüchsendichter, wie er sie ansah, wie ein giftpilz, ich habe ihn
nie besonders gemocht.


: pah dieser eduard.


: er hat keine ahnung und lügt wo er nur kann.


: und er kann praktisch überall lügen


: ich legte mich also in die wanne


: es ist gut, dass du wieder darauf zurückkommst


: ich genoss die wärme des wassers


: hörtest du geräusche?


: da waren keine geräusche.


: und dann


: nichts, ich stieg aus der wanne und zog mich an


: warst du erregt?


: schon lange nicht mehr.


: es ist also nichts mehr da


: nur noch erinnerungen die verstauben.


: das ist tragisch


: und morgen wird auch das vergessen


: was


: dass es tragisch ist


: wir kehren in die städte zurück


: wir bringen die salben.


: die schmerzen der menschheit liegt darin


: wir streuen sie in die häuser


: wir reiben die schornsteine damit ein


: glaubst du an gott?


: kommst du schon wieder mit dieser frage.


: es ist immerhin eine frage


: die ich nicht beantworten will


: warum?


: weil ich sie nicht beantworten will


: du glaubst nicht


: ich ruhe mich aus, störe mich nicht


: du bist ein grosser feigling


: das sagst du jedes mal


: und was sagst du darauf


: das sagst du jedes mal


: langweilt es dich


: ein bisschen schon.


: du möchtest über etwas anderes reden.


: gar nichts mehr reden, das ist mein ziel


: dann schließ die augen, was siehst du.


: einen anrufbeantworter


: und was sagt der anrufbeantworter


: das alle die noch leben nach dem pfeifton sprechen können


: und die anderen


: ich weiß nicht wovon du sprichst


: keiner weiß das


:: keiner


: und ich dachte eines morgens erwache ich und mir sind flügel gewachsen.


: wir halten uns an unserem zittern fest


: mich erinnert das an etwas


: aber du weißt nicht an was


: nein


: es ist klug dass du es nicht weißt


: schon morgen wird man uns sagen wohin wir zu gehen haben


: und nur der staub der von der decke fällt ist frei


: nur weiß er das nicht


: dass ist ja die freiheit es nicht zu wissen




ein Gedicht für Walter Benjamin




(die stimmen die niemand kennt; retten sich in die boote: das was man noch hat zieht man an; fängt die seile; die lebensretter bewegen sich schrittweise weiter (da ist ein krallen; ein fallen; da ist ein niederschmettern; der heilige regen; der morgen danach; das ist mehr als nur geschichte; das ist reibung mit der fläche; mit der außen und innenfläche( es zermürbt dich wenn du bemerkst wie schnell es geht dass man flüchtet; die augen nach vorne stößt; bis zum nächsten pfad der das überleben sichert( es geht immer nur um den moment; um sekunden; schneller zu sein; die augen wach zu halten obwohl sie das nicht wahrhaben wollen (da geht etwas verloren das viel schwerer wiegt als vergessen; das hat keine farbe; nur beklemmung; das sind fassaden; da ist die türe; die türe ist verschlossen; da gibt es sprünge; die zerfetzen die haut (da sind die sperren; da geht’s nicht mehr weiter; da brechen die gedanken ein; da sind die türen verschlossen; du prellst die angst; du verschweigst den irrtum; da ist der staub der über das land fällt; (das tut nicht weh; da ist kein raum da ist nur ein ort; der ort ist reich; reich an toten; die wachen wie sterne über das ja )

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