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11
Apr
2007

anoymer alkoholiker

(nach einem gedicht von charles bukowski)


sie brachten mich in ihr auto
vorne stand polizei drauf
früher wollte ich polizist werden
sagte ich den jungs
ich nannte sie nicht jungs
ich hatte angst
sie würden es nicht mögen
ich mag es auch nicht
wenn man mich jungs nennt
ich sagte
wo bringen die herren mich hin
sie fragten
was macht dein vater beruflich
mein vater ist tot aber vorher war er trinker
sie wollten davon nichts wissen
sie riefen
du hast ne ganz schön große klappe
ich schüttelte den kopf und sagte
ich weiß nur nicht was ich sage das ist alles
sie brachten mich in eine zelle
in der zelle war ich alleine
nur ein paar fernsehzeitschriften vom letzten jahr
ich hatte die anneliese rothenberger show verpasst
ich ärgerte mich
klopfte gegen die türe
was willste
fragten sie
ich will meinen anwalt sprechen
sie lachten
schlaf dich aus; morgen kannst du solange mit ihm reden wie du willst
ich ging wieder zu den fernsehzeitschriften
las die horoskope vom letzten jahr
alles ein großer schwindel dachte ich
nur auf die horoskope war verlass

als könnte ich es beschreiben

wie er versuchte den atem zurückzuholen
als hätte er eine bezahlte rechnung in der hand und wittere
einen betrug
als trage er etwas fort..das zittern vielleicht dass er jetzt überzieht um die tasse an die theke zu stellen
seine tragetaschen sind nicht schwer
draußen könnte es wolkig sein
die katzen sind noch müde
die ratten nicht...die immer wieder davon träumen alleine auf der welt zu sein
er möchte in einem drehstuhl enden
mitten am tag..wenn es reicht
den letzten takt bestimmt der tod
der ihm noch einen schubs geben würde um lächelnd auszurufen (wenn er nicht sprachlos wäre)
die letzte runde geht auf mich

ein genie...nach einem gedicht von charles bukowski

der kleine junge fuhr
mit dem rad
durch die stadt
er mochte die stadt
nicht besonders
er würde jede andere stadt
auch nicht besonders mögen
es würde später
ein bißchen anders sein
aber das war später
und jetzt stand er
an der brücke
die einen stadtteil
von dem anderen trennte
der junge dachte
wenn ich meine mütze
in den fluß werfe
wird der alles begreifen
aber er warf sie nicht in den fluß
er hatte noch viel zu viel zu erzählen

die frau des amtsarztes

unsere nachbarin schrieb alles auf
wann wir kamen
wann wir gingen
wie wir uns stritten
warum wir uns trennten
sie erriet die anzahl der äpfel die wir aßen
sie lernte unsere schritte auswendig

in ihren augen kämmten sich salamanderscharben
sie ernährte sich von speiseringen
die augen krumm
zwischen den lippen entstand ein kleiner abstand

einmal fragte sie mich
ob ich kaffee hab
ich sagte ja
sie schrieb es auf
sie wollte keinen
sie wollte es nur wissen

manchmal stand sie an der mauer
wir konnten sie gut sehen
es sah aus als warte sie auf den schiessbefehl

wir wussten dass sie dienstags nach unten zu herrn schmidt ging
wir hörten die geräusche die sie machten
sie spielten sehr intensiv

manchmal schrie sie in der nacht
sie hatte das radio die ganze zeit an
und wenn sie ihr lieblingslied nicht spielten
schrie sie

unsere nachbarin schrieb alles in ein buch
das buch versteckte sie
wenn sie es nicht finden konnte
schrie sie wieder

herr schmidt zog eines tages aus
sie bekam von ihm briefe
wir lasen sie vorher und schoben sie dann unter ihre türe

er schrieb dass er sie aufsammeln werde wie kleingeld
er schrieb mein leben besteht nur aus lohnsteuerkarten
du bist meine schönste lohnsteuerkarte
er schrieb dass er hungrig sei
dass er sie im abendschein sehen möchte
mit einem bettlerhut gegen die brücke gelehnt
und er kommt vorbei und rettet sie mit einem satz
vergiss es
vergiss es haucht er in die nacht

ein paar schnecken machen sich auf den weg
manchmal wenn wir zu lange gesehen haben
wie sie gehen schlafen wir ein
im traum trinken wir solange brüderschaft
bis wir uns nicht mehr erkennen
und wenn wir erwachen flüstern wir enttäuscht
ach du bist das
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