12
Apr
2007

der alte regen

es war hell in diesen räumen
obwohl sie wollte
dass er das licht ausblasen sollte
rief er die nummer an
um sie zu wecken
aber er weckte sie nicht
denn er hatte die nummer nicht mehr
er rief die auskunft an
er sprach
mit einer frau
sie war vierundzwanzig
und hatte gerade damit aufgehört
in ihr salami zu beissen
sie hatte einen typen getroffen
der bei ihr bleiben wollte
der war neunzehn und
dessen tante hatte mal
ein musikgeschäft
aber die geschäfte gingen nicht gut
sie wollte einfach zu viel für ne trompete
für ne trompete geben die leute heute
nicht mehr sehr viel aus
aber einer kaufte eine
er wollte seiner frau einen gefallen tun
die immer mit mark auf einer bank saß
mark war ein netter kerl
bloß dass er niemals vögeln wollte
dass verstand sie nicht

Vier tränen im schnee

ich schlief ungewohnt fest
ich wachte ein paar mal davon auf
weil ich glaubte ich wäre tot
ich ging in die küche
las ardono
begann kleine skizzen zu zeichnen
malte mir darin aus
wie das leben wohl wäre
ohne gedicht
ich stellte mir einen mann
mit einem langen mantel vor
er hält eine gießkanne in der hand
und klopft an die türe
ich frage ihn was er will
und er sagt
auf den treppen im flur liest man so schlecht
ich lasse ihn rein
er sitzt auf einem der drei stühle in der küche
die meine frau eine ehemalige bundeswehrsoldatin
übrig gelassen hat
wie war es mit ihr
fragt er
er leckte einen stein mit der zunge
und es sah wirklich so aus als mache ihn das satt
und ich sage
gar nicht so übel
sie wollte immer einen banküberfall mit mir machen
aber als ich erklärte dass ich nicht schwimmen kann
nahm sie den kerl von der tankstelle
er hat so große augen sagte sie mir
die halten mich die ganze nacht wach
irgendwann sagt der mann
werden wir alle kalt
ich glaub er hat recht

bei den anoymen

sie wollten unbedingt wissen
was ich für ein
stinkstiefel bin
alle augen
drehten sie zu mir
ich sagte
ich bin hans der klavierspieler
beim letzten konzert
warf eine frau ein auge auf mich
sie sagte
komm zu mir
wir werden uns vermissen
und ich kam zu ihr
und wir legten uns
in unsere körper
und es war ein schwingen
und versinken
es war fast eine wand
die wir aufbrachen
ich erzählte ihr später
ein paar dinge
aus meinem leben
zum beispiel auch
dass ich einmal und dann
nicht mehr aufhören konnte
zu trinken aber dann doch damit aufhörte
sie lächelte
und sagte
ja
auch ich hatte einen freund
der trank
es war nicht immer leicht
mit ihm
aber jetzt ist er verschwunden
und auch du bist verschwunden
und alles was bleibt
war meine stunde bei den anoymen
ein schreiberling der die blasse in der tiefe sucht
meinte
komm zu uns
ich sagte
aber junger mann
ich habe nicht vor was zu trinken
ich habe vor mich immer wieder
in seltsame frauen zu verlieben
aber mit trinken
hat das nichts zu tun
aber nun war ich einmal da und schaute mir
all diese wichtigtuer an
wenn ich hier öfter hinkommen würde
würde ich ganz sicher wieder anfangen zu trinken
aber das sagte ich ihnen nicht
ich sagte ihnen nichts
denn ich ging erst gar nicht hin

Der Zweifel

wir saßen zusammen
alle in einem grauen kittel
und alle ohne bart und kippen
dafür aber flaschenbier
immer kreisten unsere gedanken
um gott
jedes Mal wenn eine wolke
am himmel erschien
redeten wir darüber
was mag er gerade machen
wohin sieht er gerade
sieht er vielleicht auf uns?
die anderen winkten
ich aber sagte
leute
ich zweifel
ich halte diese flasche bier in der hand und zweifel
es ist nicht so dass ich gerne zweifel
ich zweifel nicht gerne
aber ich zweifel
und wisst ihr was
er zweifelt auch
er zweifelt genauso wie ich
da schauten sie mich böse an
und einer rief
du bist wohl verrückt
dich mit gott zu vergleichen
das kostet dich aber ne runde
ich seufzte
ging zum kantinenwirt und bestellte
vier bier

er zögert

der chef sagt
hol die pistole
und erschieß
dich

er nickt

was ist
fragt der
chef
du weigerst dich

er weiß nicht
wo sie ist
wo ist sie denn
fragt er
den chef

das sag ich dir nicht
brüllt der chef
du erschiesst mich sonst

nein
sagt er
nein
ich erschiesse mich

warum
fragt der chef
warum
willst du dich erschiessen
willst du nicht mehr leben

doch
sagt er
doch
ich will
ich will ja leben
aber ohne sie
zu enttäuschen
kann ich`s nicht mehr

braver kerl
denkt der chef
aber schäbig gekleidet
karottenfarbene socken
gefällt mir nicht

der chef holt die pistole aus einer schublade
er gibt sie ihm

er nimmt die pistole
und schiesst
auf den chef
der chef ist nur
angeschossen

ich bin nur angeschossen
ruft der chef
du hast mich nicht getroffen
ruft er
es war nur der schreck der
mich verwundbar machte
jetzt ist alles wieder gut

man schließt die hellen stellen auf
man flieht hinein
aber vergebens
das dunkle lauert überall

uimit să privesti lumea

cîte nu poti face din cartofi
de pildă pe inventatorii fratricidului
cain si abel
în fiecare seară ei se întîlneau si sporovăiau
vrute si nevrute
si-aproape numai tîmpenii
"cum ti se pare Liza?"
"Liza nu-i treaba ta, maimutoiule"
"hei, as vrea să stiu de ce-mi vorbesti asa"
"ca să afli, trebuie să mă întrebi"
"ce mai face frătiorul meu?
"mi-e foame"
"vrei un cartof?"
si aici se bîlbîie si oftează istoria omenirii
deoarece cartoful nu fusese încă descoperit
si nici omorul,
dar, vă asigur, stimati domni,
că n-a mai durat decît foarte putin





verwundert die welt anschauen

was man aus kartoffeln alles machen kann
zum beispiel kain und abel
die erfinder des brudermordes
jeden abend trafen sie sich und schwatzten
über dies und jenes
viel dummes zeugs war dabei
"wie findest du lisa?"
"lisa ist ja wohl kein thema für dich du socke"
"he was los mit dir ist will ich wissen?"
"dann mußt du mich halt fragen"
"wie gehts meinem brüderchen?"
"ich hab hunger"
"willst du eine kartoffel?"
und da stottert und seufzt die geschichte der menschheit
denn die kartoffel war noch nicht entdeckt
nicht entdeckt war auch der mord
aber meine herren
es stand kurz bevor
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Die unsichtbaren Schritte

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