28
Apr
2007

Der König stirbt - von Sturznest und Winnie_Lou

(eine Prosawelle nach einem Theaterstück von Eugene Ioenesco)


es ist schlimm wenn man gehen und nicht gehen kann. wenn der nebel einen zurück hält. ich habe mir das alles ein wenig, wie soll ich sagen, anders vorgestellt, vielleicht dass man mich anfleht zu bleiben, noch nicht zu gehen, ich würde dann ganz sicher gehen, mit dem Gefühl nicht alleine zu sein geht man leicht dorthin. aber ich will nicht. ich will nicht. ich kann auch nicht. ich habe heute früh noch gar nichts gegessen, ich habe auch meine frau noch nicht gesehen, was macht sie, wohin geht sie, mit wem trifft sie sich und was macht sie, wohin geht sie, mit wem trifft sie sich und über was reden sie, sie reden doch sicher über mich, sie ist die frau des königs, sie wird es ihm nicht verheimlichen können.

keinen blick hast du mir zugeworfen heute nacht, die augen geschlossen. was hinter dem geschieht was ich sehen kann, was geht es mich an frage ich dich. kann ich tragen was du nicht schaffst du bist der könig doch wer soll ich sein. ich gehe. hinaus aus dem zimmer in die dunkelheit dieser tage. weit ist der tag und niemand an meiner seite. schlaf du nur ich kann deine schmerzen nicht fühlen ich nehme nur meine wahr. du solltest die augen nicht schließen was kann schon passieren. wohin ich gehe folgst du mir nicht mehr. allein dein blick hinter den liedern mag wissen, ob deine schritte mich noch ein einziges mal ereichen.

schritte, als könnte ich ihre schritte hören und die ganze poesie, immer wieder, aus ihrem mund, aus ihrem zahnfleisch, sie liest während ich der könig bin, sie küsst einen anderen und sagt, ich bin die frau des königs, sie wird es auf eine art sagen, ich würde gerne lauschen, zu gerne, aber immer wenn ich lausche, kommt einer von den wächtern und fragt mich, was ich hier zu suchen habe. ich sage, ich möchte zur königin und er lacht und sagt, ja da möchten wir alle gerne hin.
was soll ich davon halten. ich könnte ihn verhaften lassen, aber warum, vielleicht meint er es ja nicht so, vielleicht erlaubt er sich einen scherz. soll er scherzen, soll er nur scherzen, der henker wird ihm schon alles sagen.

wieder dieses grinsen. immer wenn er hinter der tür steht kann ich es spüren. das grinsen kriecht unter jeder schwelle hindurch. ja, eine königin wollte ich sein. und so stolperte ich diese treppe hinauf, immer höher rief er mich. frau königin, seien sie nicht so scheu, treten sie doch näher, ihre hand möchte ich küssen, und ihre lippen natürlich. stufe für stufe fliegt etwas durch die luft, was die phantasie einer zukunft hätte sein können. damals, als ich das grinsen noch mit einem lächeln verwechselte wie andere leute blaue und schwarze socken am frühen morgen. es ist besser zu schlafen, als noch länger auf das blitzen an der türschwelle zu warten. sie wird sich auch heute nicht öffnen.

ich muss zurück, zurück, ich habe vergessen die krone aufzuziehen, wie konnte ich das vergessen, der wärter hat gut gehandelt, ohne krone läßt man niemand zur königin, außer der liebhaber, bestimmt so ein spanier, bestimmt küßt sie ihn gerade auf seine spanische stirn, vielleicht ein maler oder ein kunsthändler, diese kunsthändler verschwenden keine zeit und wenn sie aus spanien kommen verspäten sie sich niemals. also zurück, zurück, noch gibt es hoffnung, noch ist nicht alles verloren. ich werde sterben, das ist wahr, aber nicht ohne die krone auf dem kopf zu wissen.
oh königin, mit deinen augen aus perlschwarzen mühlen, wenn ich doch bloß hinter die türen sehen könnte, was verspricht er dir und was wird er davon halten. oh wie grausam ist das sterben wenn man nicht stirbt. auf zur krone.......!!!
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