9
Jun
2007

ein leben

abends ging vater
zugrunde
er traf sich
mit anderen vätern
im keller
es roch dort
nach wein
und kartoffeln
nach briketts
und einem fertigen leben
dass so
und nicht anders zu sein hatte
ich bin einmal hinunter
weil ich wissen wollte
was dort geschah
hörte von weitem
den gesang
von abgestandenen wein
und dachte
so hat er mit uns
noch nie gelacht
bei uns gab es
höchstens leere versprechungen
wir fahren im urlaub
irgendwann
nächstes jahr
und wenn die anderen uns
mit ihren postkarten neidisch
machten
hing er im keller
alleine
und hoffte
die anderen männer
würden bald wieder zurückkehren

in seinen händen lagen wir
wie in einem grab
wir untersuchten seine schritte
da war viel angst
viel flucht
viel gewissheit
dass es nicht enden würde
bis eines tages
eines morgen
du gehst die treppe hoch
und findest niemanden mehr
du denkst er ist im keller
aber da ist nur das flüstern
einer ungewissen zukunft

der geruch von perlwein
verschwindet
wie die gespräche
die ohnehin immer verblassten
wenn die männer wieder weggingen
ja sie gingen wieder weg
zumal an den wochenenden
putzten ihre autos
stiessen ihre frauen an
gaben ihnen küsse
gaben ihnen schläge
gaben ihnen das gefühl isoliert zu sein

diese wochenende
mit ihren nächten voller peitschenhiebe
mit dem durst gieriger kinder
die sich unbedingt aus dem staub machen wollten
alle fanden das alle immer glücklicher waren
als man selbst
die ohrfeigen blieben in den gesichtern
der kinder
sie erinnerten sie daran eines morgens zu erwachen
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