23
Jun
2007

Gedicht

später
ruhm
später
dann
ruhm
kein
ruhm
später
kein
ruhm
später
dann
rum
später
liest
du
das
dass
ist
literatur
man
hat
es
mir
bescheinigt
gestern
als
ich
vor
einer
roten
ampel
stand
natürlich
eine
frau
sie
trug
kurze
haare
hatte
ein
lippenstift
im
mund
ich
dachte
das
ist
endlich
ein
ereignis
aber
ich
war
mir
nicht
sicher
sie
küsste
ihren
nebenmann
der
typ
sah
aus
wie
ich
und
deshalb
konnte
ich
nicht
böse
sein
sie
rief
mich
sagte
komm
her
mein
herr
ich
rasiere
dir
deinen
bart
hatte
ich
denn
einen
bart
ich
hatte
ein
paar
floskeln
im
mund
aber
es
war
schon
zu
spät
sie
hielt
direkt vor mir sie sagte
du hast wohl was gegen abenteuer
ich sagte
ich habe nichts dagegen
aber ich habe eine
schreckliche zeit hinter mir
keiner liebt mich
allerdings
kenne ich auch niemanden
den ich lieben könnte
sie
sah
mich
an
weinte
du
bist
so
ein
trauriger
mann
und
dein
mantel
hängt
schon
so
lange
dort
wo
mäntel
nun
mal
hängen
versprich
mir
wenn
du
heimkommst
leg
ihn
auf
die
fensterbank
ich
werde
kommen
und
ihn
nehmen
und
immer
wenn
ich
ihn
betrachte
werde
ich
daran
denken
dass
es
irgendwo
auf
der
welt
einen
mann
gibt
den
keiner
liebt
und
vielleicht
ruf
ich
dich
an
frag
ob
du
zeit
hast
bestimmt
sagst
du
ja
und
ich
sage
ich
komme
zu
dir
und
dann
legen
wir
uns
auf
deinen
mantel
und
reden
über
literatur

ein bahnhof (warum ich dieses gedicht schreiben werde.....)

weck mich
wenn es wieder die hölle ist
ich vergrabe sie
solange
bis ich sie wiederfinde
und sie schon nicht mehr erkenne

schweigen

ich schlage den bahnhof auf
ich öffne die türen
die bewegung der züge
ich hänge sie ein
ich glätte die schienen
ich warte
bis der erste seine fahrkarte kauft

weck mich
wenn sie vorbei ziehen
all die irrungen und niederungen
all die ans herzgeklopften schrauben
wir ziehen sie nicht fest
fest ist nicht gut für ein herz

wir könnten uns dran gewöhnen
das licht anzusehen
und es ist die ganze zeit über dunkel
oder so
wir stehen neben uns
reden von auflösungserscheinungen
und lassen uns einfach nicht los

nicht alt

eben hat dich dein husten verlassen
sprechblasen voller ideen

durch die stadt und die strassen
und umgekehrt

du lässt die orte fallen
das sprechen das geht leicht

gott an der wand
zwischen dem einbauschrank
und der kommode

hängt da wie ausgesucht
aber nur die
die ihn betrachten
erkennen ihn nicht

die anderen haben ihn noch nie gesehen

an

ich weiß es nicht
etwas anderes kann ich dir nicht sagen
natürlich ich würde versuchen es zu erklären
aber wäre ich dazu imstande?
ich weiß es nicht
ich verlasse mich auf mein konkretes nichtwissen
was verlange ich auch schon
dass der zeitungsbote mir die zeitung bringt
auch wenn ich sie nicht zahle
wie könnte ich auch zahlen
ich habe einen elefanten
der mir das haar vom kopf wegfrisst (wahrscheinlich
eines tages noch den ganzen kopf...deshalb schreibe
ich die zeilen auch sehr schnell, belasse es bei den
krummen fehlern die mir immerzu unterlaufen
sollen andere es nachbessern
andere die es nicht so eilig haben wie ich)
ich mag es vor dem fenster zu sitzen und einfach
nur zu starren
das könnte ich den ganzen tag tun
der elefant auch
ein ruhiger geselle
fast so etwas wie ein enger vertrauter
ich darf ihn nicht nennen
ihm keinen namen geben
etwas wehrt sich dagegen
der elefant würde sich nicht wehren
er würde ohnehin nicht auf den namen hören
elefanten gibt es heute an jeder strassenecke
sie werden verschenkt oder verkauft
das futter für nehmen sie schweigend an
natürlich sind sie nicht dankbar
natürlich wollen sie hier nicht sein
sie nisten sich ein
das ist richtig
aber in ihren augen schwillt die ewige sehnsucht nach afrika
auch ich sehne mich nach einem land
aber dieses land hat keine wüste
nur wüste reden hält man dort
dieses land hat ein großes verlangen nach ruhe
aber wann ist es dort einmal ruhig
aber wenn es ruhig ist
weckt es gleich die sehnsucht auf
und vorbei ist es mit der ruhe
werde ich noch einmal dort sein
oder werde ich ersticken an der ewigen sehnsucht danach
der elefant weiß nichts von meiner sehnsucht
ich aber von seiner
wenn sie auch nicht zu vergleichen sind
im starren aus dem fenster sind wir uns ähnlich
so weit so gut
ich wüsste nicht was ich sonst noch schreiben soll
hier geschieht ja nichts
außer dass meine wäsche bald trocken ist
und ich sie wieder abhängen muss
außer dass sich alles im kreise dreht und
man trotzdem manchmal den eindruck hat
es bewege sich nichts
in den zwischenräumen sollte man sitzen
an das gute im menschen glauben
ein bildnis von irgendeinem gott an der wand
aber nichts
in meinem durchlöcherten zimmer sieht alles
wie ein verspäten aus
kaum drehe ich mich um
schon habe ich mich verspätet
alles andere später wenn du mir geschrieben hast wie es deinen kaninchen geht
und ob sie immer noch so einen ärger mit den waldameisen haben
ich kann nicht begreifen dass du sie bei dir duldest
sie haben so gar keinen gesichtsausdruck und manchmal (sei ehrlich)
möchte man sie einfach in den hintern beißen
aber haben sie überhaupt einen
nun gut nun gut
ich werde auf deinen brief warten
anbei eine tafel schokolade
iss sie lieber nicht
sie stammt aus der zeit vor der wiedervereinigung
wer hätte das einmal gedacht dass man so etwas schreibt
aber nun schreib ich es und es ändert gar nichts
sag dem briefträger dass er deine briefe das nächste mal nicht so knicken soll
deine ganzen flapsigen bemerkungen sind verschwunden
hab dank für deinen apfel
er hat mich zum gähnen gebracht
jetzt bin ich müde und lege mich hin
der elefant sitzt im garten und sinnt vor sich hin
ich frag mich an was er denkt
vielleicht denkt er
es liegt ein fluch in der zeit
na recht hätte er damit
also mach’s gut und erzähl mir alles
auch über das nacktbaden mit herrn wurz
würde mich schon interessieren mit welchen augen er dich ansah
lass es dir gut gehen und
trink nicht so viel von dem selbstgebrannten
du weißt woran deine verwandten verstorben sind
ich küsse deine zunge
frag mich nicht warum
ich küsse sie einfach
weißt du
wenn ich es recht bedenke möchte ich doch nicht dass du mir vom nacktbaden berichtest
allein das wort lässt mich zusammenzucken


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