31
Dez
2007

dem ufer wegen

für sibylle berg


und als ich erwache bin ich wieder dort wo ich bin.
wo ich immer bin, schon immer, das klingt....
ich höre jemanden reden, ich bin das nicht, ich
bin bei mir, nicht ganz, dazu fehlt mir noch einiges,
aber ich kann meine hände sehen und zu meinen
händen hat eva mal etwas sehr liebes gesagt
ich habe es vergessen, ich habe es natürlich
nicht vergessen, aber ich möchte es gerne vergessen,
ich möchte auch eva gerne vergessen, eva wer war das?
eva das war eine melodie, das war so eine frau, sie wohnte
da und da, in ihrer nachbarschaft war sie sehr beliebt, vorallem
bei herrn schmidt der mit seiner frau im selben stock wie
eva wohnte, nur gegenüber. nachts zog herr schmidt sich aus
und schaute auf das fenster von eva und manchmal da sah er
sie und manchmal hielt ihn seine frau fest, an der schmerzlichsten
stelle.
als ich erwache sehe ich mich um, dreh ich mich um, da ist nirgendwo
ein irgendwo, da ist nicht einmal ein bellen, oder ein haus zu sehen,
zu hören, da kann ich lauschen so viel ich will, da ist nichts, nicht einmal
das rascheln von papieren..
ich fasse in meine hosentasche, da klimpert es, da klimpert es ein wenig,
das stimmt mich etwas heiter, also könnte ich raus, raus und dann
irgendwo in einem cafe zu sich kommen, vielleicht dann ganz, sich spüren,
sich aufspüren, endlich an sich selber denken und vielleicht komme ich
drauf, wie ich hierhergekommen bin.

ich bin draußen. ich meine. ich bin raus. man hat mich entlassen, einfach so, von
einem tag zum anderen, ich hatte die geldbörse des chefs in den händen, fühlte sich prächtig an, wenigstens die ist mir geblieben, die wird mir die treue halten, nur verlieren darf ich sie nicht.
mein ganzes leben, sagte man mir, könnte ich tun und lassen was ich wollte, ich müsste
nur erwachsen werden und nun war ich erwachsen und alles was ich tun durfte durfte ich eigentlich nicht tun.
ich zählte das geld noch auf der strasse, das war vielleicht etwas dumm.
zwei männer reichten aus um mich zu packen und in ein auto zu bringen, von dort aus ging es zur polizei.

als ich aufwachte war ich ein stück papier, das umherflatterte, nicht wusste wohin, einmal flog es in deine hanm, du warfst es wieder in die luft, ich verschwand.
als ich aufwachte war ich ein anderer, ich gefiel dir, wir saßen am tisch, es war sehr gemütlich, wir hatten nicht wenig zu essen, wir dachten nicht an die zukunft, wenn wir existierten existieren wir nur weil wir keinen wert darauf legten, alles war gut.
ein roman fing an.

Traum

ich sitze in der umkleidekabine und zieh mir die stutzen an, suche meine fußballschuhe, finde sie nicht. ein alter freund tritt in die umkleidekabine, er schlägt vor irgendwo was trinken zu gehen.
als wir so gehen fällt mir ein dass ich meinen spazierstock vergessen habe.
er fragt mich, seit wann gehst du schon am stock.
mir fällt das fussballspiel ein. ich laufe wieder zurück, aber ich werde von irgendetwas am laufen gehindert, ich laufe zwar, aber ich bewege mich nicht.
plötzlich spüre ich das mich jemand verfolgt. ich drehe mich nicht um, aber ich spüre einen schweren atem hinter mir. plötzlich laufe ich nicht mehr, sondern schwebe, ich kreise um die stadt (nein ich kreise nicht, das ist eine literarische albernheit).
aber das fußballspiel ist verloren.
schade, denke ich, denn in diesem moment finde ich meine fussballschuhe, ziehe meine torwarthandschuhe an und gehe nach draußen.
das spiel hat schon begonnen und wir haben noch kein tor kassiert, ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen kann.

etwas füllt die nacht

„uns gehört nur das was wir verloren haben“
Jorge Luis Borges




er aus dem schlaf fallend
stellt sich vor dass auch sie erwacht

er mit den augen einer landschaft
die nacht zeichnend

er als gewittervogel
mit dem schnabel eine nuss fangend

er malt sich den tastsinn einer ameise aus
jede bewegung ein fremdkörper

er liegt nicht neben ihr
die schöne hat ihren ort weiter nördlich

wo ihre augen von seiner sehnsucht nichts wissen können
und das an jedem beliebigen tag
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Ich trockne meine Zeilen ab

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