11
Feb
2008

Gino

Gino *


gino war der erste schmetterling
der wusste dass er ein schmetterling war
leider träumte gino nur
er träumte nur dass er ein schmetterling war
und wusste dass er ein schmetterling war
die wirklichkeit war ein kühler traum
er wachte auf und war ein schmetterling
aber er wusste nicht dass er einer war

gino war cool
er biß in die nacht
deshalb wurde sie nicht ganz so schwarz
wie sie es gerne gewesen wäre
gino war klug
er kannte alle tiere auswendig
er wusste nicht immer wer sie waren
aber er kannte sie alle auswendig und das war unerhört

gino war klasse
wenn der morgen kam sang er
er sang so laut dass es fast einer hörte
aber sein gesang verschwand jedes Mal
vor den ohren der waldtiere und der neurotiker

gino seufzte als er erwachte
er hatte oft das gefühl das sei gar nicht er der da erwache
sondern ein schmetterling



*= nach einer sehr wirklichkeitsnahen zeichnung von susanne

ein schmetterling und eine blaue blume im gespräch

fly*


was ist dir das du nie nachdem du bei mir warst bleibst
ist es stolz oder ist es das meer an mehr...sind es die kommenden
jacken die dich rufen, der gestank der eisenbahn kann es doch nicht sein...

glaub mir, es ist der traum, der hält mich fest, der bindet mich nicht los, es ist das unwahrscheinliche, die magie, es sind die tropfen die mir auf die flügel fliegen, es ist die nacht in der es jeder eilig hat in seinem traum zu verschwinden, auch ich verschwinde schnell, lande in dir und falle auf dich herab, es ist wie ein trommelfeuer, wie ein geheimes geheimnis. niemals entdeckt niemals befleckt es ist dieser moment, in dieser momentlosen zeit, es ist diese andacht, dieses halbeherz mit dem ich versuche still vor dir zu stehen, dich zu begleiten,....

als hätte ich jemals nicht hinter den linien gestanden, mich immerzugefragt, woher kommt dieser und jene moment, immer stellte ich mich zwischen die gräser, dich sehend, dich sehend wie du zweifelst, immer deine lippenfrage, deine frage ob du ein traum bist, ein traum der in einem traum verstrickt nicht weiß ist es ein traum oder ist der traum im traum verwandelt und immer wenn du erwachst hast du das gefühl du bewegst dich als wäre noch alles dort und du hättest es nur verlassen weil du es nicht verlassen kannst...

aber all die sätze, all diese kugelschreibergeschriebenen worte, hingetreten in die tastatur, all die nächte in denen die sonne wankte, nicht wusste was sie uns schenken sollte und schenkte uns nichts ausser ihr licht, das war die wirkliche, jene die uns auch im traum betrachtet wenn wir hoffen das wir in all unsere geheimgänge dringen können und flatterhaft wie wir sind bewegt sich nicht ausser die idee körperlos beflügelt hin und her zu schwengeln, im kopf ein fieber der alle barrikaden verbarrikadiert....




*= die zeichnung stammt von der wunderbaren Winnie

...

seltsam sind die sätze die man aufschreibt ohne sie zu verstehen

Margarinefly

Margerinefly
(blaue Blume Zyklus)


die zeit verrauscht
sie ist bartlos
als hätte man es vorausgesehen
sie ist bartlos

du erinnerst dich
damals waren wir knülle
wir dachten das wären wir

wir riefen
sind wir schmetterlinge
oder ist es der traum der uns kennt
der weiß das wir schmetterlinge sind

damals als wir in die zeit hineinkrochen
flüsterten wir oft nur zum spaß
du tropfen meiner eisigen glut

die nacht
sie war silbern verschmiert
als ginge es ihr ums ganze

du bist längst verlassen worden
vom erwachen eingezäunt
scheust dich
mich zu rufen
du blaue blume du
schiebetüren erwachen
und machen sich breit wie flügel

ausdehnend und süß



* der schmetterling wurde gezeichnet von Peter Schomber

die blauen blumen

das vieh dachte oft an
das jahr viertausendzehn
die ulmen spiegelten sich
in den spiegeln wieder
die flüsse hielten es wie die schmetterlinge
sie fürchteten immer aufzuwachen

jeder der stehen konnte stand
und jeder der atmete setzte sein leben fort
ob tragisch; bunt oder überflüssig
kein leben ist übeflüssig
selbst die letzten reisbeutelverklemmler haben
ein recht auf ihr kreuz dass sie zu tragen haben
dass sie nicht einfach ablegen wie windbälle

da war eine prinzessin
die mochte es den leuten glauben zu machen dass sie schafe liebte
oh schau nur wie sie urinieren
schluchzte die prinzessin
zu ihrem windbeutel
der zart die hand um sie legte
ihre brüste berührte er nicht
er würde es nicht einmal wagen
sie zu erwähnen
er dachte aber dauernd an sie
wie sie wohl im wald leuchten
fragte er sich und stellte sich eine farbe vor
die nur in seinem kopf existierte

es war die falsche zeit
so wie jede zeit falsch war
ein paar ahnungslose
versuchten das internet in bewegung zu bringen
aber der strom fiel immerzu aus und sie tobten
bliesen leere töne in die tastatur
hatten doch gerade herausgefunden was literarische webblogs nun wirklich sind

guten morgen

wir saßen in der küche
der kaffee schmeckte nach backpulver
ich sagte
inge
inge werde ich heute holen
vom bahnhof
sie wird dastehen
warten
wahrscheinlich auf mich
werden nachhause
teetrinken mit honig fragt sie
immer mit honig
fragt sie
sie wird mich fragen
sie wird fragen
wie geht es dir
immer noch den hals wie eine giraffe
sie hat nach dir gefragt
werde ich sagen
ihre augen leuchten
die augen inges
wir werden den Nachmittag mit buttercremetorte bestehen
und dein bild an der wand ansehen
wie schön sie ist wird sie sagen
und an die spinatflecke vom letzten jahr denken
das tut mir leid wird sie sagen
grüß sie von mir wird sie sagen
du wirst vor der türe stehen
du wirst mich fragen
ob ich morgen früh wiederkomme
ja
sage ich
ja
sagt sie
ja sagen wir gemeinsam
er wird morgen wiederkommen
er wird sich die blaue trainingsjacke anziehen
und zu dir kommen
und du wirst du fragen
und du
wirst du dich wieder alleine fühlen
und du fragt inge
und du
wirst du mir glauben machen
dass es besser ist
mit ihm zu frühstücken als mit mir
wirst du
mir glauben machen
er führt die gabel
in den mund
um dir zu gefallen
und du
fragt inge mich
wirst du zu ihr gehen
obwohl sie wie eine giraffe ausschaut
und ich
werde sagen
aber mein schatz
du weißt doch dass man in gedichten
keine witze machen soll
und ihr werdet mich staunend ansehen
und euch fragen
warum ich immer alles kaputt mache
aber trennen werdet ihr euch trotzdem nicht von mir
weil ihr ohne den alten schienenbrenner überhaupt
nicht mehr wisst was das ist
eine rote gardine
die man hin und herschieben kann
auf die man blicken kann
und der man immer etwas zurufen darf
sie versteht es ja doch nicht
genauso wie ich
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Ich trockne meine Zeilen ab

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