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11
Jul
2009

Die Wahrnehmung eines Internetliteraten

Es gibt keine Bücher mehr
Es gibt nur noch e-books
pdf dateien und scheussliche romane
zum downloaden

ja ja

http://www.literaturforum.net/index.php


da müsst hier hin und schreiben

ich heiße dort übrigens

DerBaum

Christine Lavant

http://www.uibk.ac.at/brenner-archiv/projekte/lavant/gesamtbw.html

Das Gedicht der Gedichte

als ich um sechs uhr wach war
war ich immer noch kein käfer

wenn ich auf der suche
nach meinem personalausweis gewesen wäre

wäre ich sehr enttäuscht
denn ich hätte ihn schnell gefunden

als ich um sechs uhr erwachte griff ich
nicht
wie noch vor jahren nach einer abgestandenen flasche bier

ich sah auch nicht in die zukunft denn
die konnte ich nicht sehen

ich wollte aufstehen und ein gedicht schreiben
ich schrieb kein gedicht ich stand auch nicht auf

ich träumte ich würde aufstehen und
ein gedicht schreiben

ich schrieb das gedicht im traum
aber nicht an dem computer

ich ritzte das gedicht in eine rutschbahn
dann kletterte ich nach oben und rutschte hinunter
ich spürte das gedicht nicht

aber dann wurde es elf und ich stand auf
den computer schaltete ich an

ich bewegte die buchstaben auf der tastatur
damit sie sich erinnerten wer ich war

ehrlich gesagt wusste ich nicht mehr
ob es enen sinn hatte dieses gedicht zu schreiben

ich erinnerte mich an die farben
in dem traum und dass alle farben verschwanden
nachdem ich dem gedicht hnterherrutschte

es ist schwer ein gedicht zu schreiben
es ist das schwerste

es ist leicht zwischen den sätzen eine atempause einzulegen
aber ein gedicht zu schreiben ist schwer

von der nacht war nichts mehr übrig
das feld war nicht weit

die flüsse sprachen mit den fischen über das leben
der himmel kroch hinein in das gesagte

das silbergeschirr aus den alten zeiten
ein hut der nur verstaubt zu tragen war

ich schrieb dieses gedicht weil ich etwas großes schreiben wollte
etwas dass einem dazu animiert in die hände zu klatschen

sich zu fragen
wie hat er das geschafft
ich dachte er wäre ein torwart

ich war einmal torwart
ich war der beste
und weil ich der beste war
ließ ich jeden schuß durch
warum auch nicht
ich hatte es nicht nötig
mich nach dem ball zu werfen
ich war der beste
und der beste macht sich nicht schmutzig

Elke erzählt

es war ein sommer
ein verregneter sommer
irgendein taxifahrer rief mich an
er hätte mich gesehen und so
er fände mich so gut
er möchte gerne reden
also würde ich hingehen
aber vorher verschüttete ich noch milch
woher kam die bloß
egal
ich wischte sie auf und schaute in die ferne
der taxifahrer rief wieder an
wo ich bleibe und so
ich sagte
ich komme gleich
ich hatte doch milch verschüttet
das sagte ich ihm nicht
ich sagte nur dass ich gleich komme
ich bin bei ihm; wir sitzen in seiner küche
der wind streicht keinem von uns ums haar
der wind ist draußen und fegt die haare der anderen zur seite
ich sagte
ich geh dann mal wieder
er fragte wohin...........................

die jacken die augen haben warten auf die besten stellen
die pointen geraten ins stocken (manche verstecken sich)
hinter den häusern wartet der alte mützenverkäufer
wie verstaubt er aussieht
als hätte man versucht ihm das leben zu erklären

erst

sie hatten uns diesen stuhl geschenkt
nun sitzen wir abwechselnd darauf

reden nur noch wenn wir uns vermissen
wir vermissen uns nicht mehr

wir vermissen die verluste
die bewegung die unsere hände machten
wenn wir über unsere wünsche lachten
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