die augen zu öffnen und da wäre immer noch ein schuss
und die tiefen ebenen des raumes
und der geräuschlose glanz eines augenblicks
er tritt nicht gegen den ball
er fällt über ihn her
die augen wie eine nacht die man damit verbringt
seinem eigenen schatten etwas aus seinem leben zu erzählen
das zieht kreise
da raufen sich die gegner die haare
bis sie keine mehr haben
Sturznest - So, 12. Jul, 17:01
jeder
jeder der es sehen kann
jeder der ahnt es zu sehen
jeder der es gesehen haben konnte
der es sah
der es so sah als würde er es sehen
jeder der sich erinnert
jeder der es immer noch nicht glauben kann
jeder der es jeden tag verschweigt
jeder der darüber schweigt
jeden den man fragt
(warst du da)
jeder der es sagt
jeder der es immer wieder sagt
jeder der so tut als würde er es sagen
jeder der noch immer daran knabbert
(dass er nicht dabei war)
jeder der es erkennt
jeder der das nicht erkannte erkennt
jeder der darüber schweigt
(das schweigen aussetzt)
jeder der berührt
jeder der es auch so berührt
(er war nicht dabei aber er berührt es)
jeder der es sagen kann
jeder der darüber etwas schweigen kann
jeder der es erkennt
Sturznest - So, 12. Jul, 16:22
hinter dem geraschel der gefängnistüre fing die freiheit an.
als ich diesen satz in meinen mund schob brachte ich ihn nicht raus.
ich war nicht im gefängnis, ich saß auf einer parkbank und starrte vor mich hin.
das war also mein leben, das sagte ich mir und grinste.
es war kein guter tag.
die frösche waren müde, man hörte sie nicht mehr, die schornsteine rauchten, aber sie rauchten nicht für mich.
die kinder eilten nachhause oder zu den zügen, dort stiegen sie ein und stiegen wieder aus, wurden von ihren großeltern in den arm genommen, bekamen süßigkeiten und durften auf einer wiese spielen.
die hunde gingen ohne freude spazieren, sie waren grau und ihr bellen lag seicht im wind.
auf dem boden lagen konserven und bierdosen und ich malte mir aus, ich hätte all das getrunken und gegessen was auf den boden lag, aber ich konnte es mir nicht vorstellen.
die autobahnen funktionierten, es roch nach frikadellen, junge frauen mit lustigen klavierhänden zogen an mir vorbei und fragten sich vielleicht, ob sie, wenn sie alt sind auch so werden können wie ich,
sie hatten keine angst davor, das konnte man ihnen ansehen, aber sie fragten es sich und sie fragte es sich, damit ihr leben weiterging, ohne dass sie es groß bemerkten.
ich erzähl euch was,
es war wie im märchen, eine frau saß neben mir, sie aß knäckebrot ohne etwas drauf, ich fragte sie nicht danach, aber sie sagte,
mein mann isst den rest,
so teilt man sich das leben, dachte ich und mir wurde ganz weinerlich,
war das leben so oder tat man nur als gelten überall die gesetze der krummen augen, die mürbe das dasein betrachten, die etwas in die luft kratzen, weil sie glauben danach eine besser sicht zu haben.
die frau saß immer noch neben mir, sie fragte mich, ob ich jemand habe der mir vor dem schlafen einen gute nacht kuss gibt, ich sagte nein, da ist niemand und sie fragte mich nach meiner adresse und ich gab sie ihr und am abend stand ihr mann vor meiner türe und ich bat ihn rein, er aber sagte, ich habe nicht viel zeit, morgen kommt meine frau und gibt ihnen einen gutenachtkuss, aber heute mache ich das und er gab mir einen gutenachtkuss und das fühlte sich flauschig und borstig an und ich legte mich ins bett und freute mich zum ersten mal seit langem wieder auf den nächsten tag
Sturznest - So, 12. Jul, 06:45