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4
Nov
2009

Vielbrunn

als hätten wir niemals woanders geseßen
kirschgarten sagtest du
du nahmst seine hand
du schautest mich an
da rauschten die langen bärte nachhause

als hätten wir nie woanders geseßen
zwischen dem teilzeitsuff der
mittelstandsalkoholiker
an den bäumen hingen ihre augen
sie trauten der ferne nicht
deshalb hingen sie da

es war die nachtigall die in diese tiefe sah
da waren worte
wir sahen sie an
wie etwas dass uns sehr nah war


alles was wir hing in den seilen
da trieben schiffe ab
da wurden matrosen sehr redselig

da lag die verwundung im schatten
und sie tat nicht mehr weh
jetzt
wo sie niemand mehr sehen konnte

Der Anfang eines Romanes

"Als der kam"


Damals.
Er verteilte die Brote.
Er war nicht besonders großzügig.
die Züge, rief er,
er wusste es,
sie fuhren in diese Richtung.
Er stieg nicht ein.
Er hatte diesen Roman in den Händen.
Der Schaffner fragte ihn danach.
Er wollte nicht antworten.
Er stieg ein.
Das war lange her erzählte er.
Er nahm das Brot.
Er verteilte es.
Er fragte: was ist Literatur?
Er setzte sich in ein Abteil.
Eine Frau mit einem Megaphon in den Händen saß da und knabberte an Salzstangen.
Er las dieses Buch.
Der Schaffner kam.
Was lesen sie da, fragte der.
Die Frau zückte ihre Fahrkarte.
Sie sprach ein paar Worte durchs Megaphon.
Er hatte die Worte wieder vergessen.
Er blickte in die Augen der Frau die er besuchen würde, er fand darin nichts worüber man reden konnte.
Es waren dumme Zeiten, sagte er und verteilte das Brot.
Er verteilte es hochmässig, gerade so als wären wir von ihm abhängig.
Er redete von dieser Frau. Er redete gerne von den Frauen. Frauen kamen ihn alle vor, wie eine andere Ordnung, sie brachten das Leben, hätte er beinah gesagt.
Sie strich sich übers Haar, sie hielt das Megaphon fest. Vielleicht glaubte sie noch an die Revoluton. Er sah sie an, in ihren Augen war noch alles.
Sein Traum war verschwunden, man hatte zu fest an ihm gerüttelt.
"Antunes" sagte er zum Schaffner, der in die Luft sah, der in die Luft sah ob da irgendein Punkt war.
Ich lese Antunes, sagte er und er sagte es eher zu ihr als zu ihm, aber er nahm es auf, saugte es ein, er hielt den Namen fest.
Er verteilte das Brot.
Wir riefen selten seinen Namen.
Wir wollten auch seine Geschichten nicht hören. Aber manchmal wenn es uns langweilig war....
Er saß damals in unserer Küche. Wir wussten gleich dass er von ihr kam, weil in seinen Augen Gedichte von Lorca schwammen, weil sie in seinen Augen die Brote schnitt die wir später essen würden.
Wir lachten darüber.
Uns kamen diese Liebesgeschichten allesamt idiotisch vor, sie waren es auch,
aber es lohnte sich,
es lohnte sich in diesen Worten zu suchen, was man in seinen Augen nicht sehen, nicht begreifen konnte.
Einmal hatte er sie gemalt.
Er malte streng und schlecht zugleich.
Wir forderten ihn auf eine Andere zu malen, er malte eine Andere, sie sah genauso aus.
Wir aßen das Brot, wir nahmen uns jedes Mal vor ihn hinterher hinauszuwerfen, er passte nicht zu uns, aber wir schafften es nicht, er war der Einzige der in das Brot schneiden konnte, ohne dass es wehtat.

Die Macht

heute blicken sie mich an
kratzen mit den augen
stolpern über brüchige zeilen

sie betrachten sich bereits wie frau und mann
sie warten nur noch auf mein ja-wort

sie hellen den stift auf
der austrocknet
bis sie bemerken dass ich dies gedicht nicht mit dem stift schreibe
wird ihre liebe verschwunden sein

dann sollen sie heiraten
sich ansehen
wie metzgersfrauen die suppe ansehen
kurz bevor sie hineinspucken

aber nein
nein
nein nein

sie werden glücklich
tauschen die haare
die bürsten
wechseln die worte
wie ein stehen sieht es aus wenn sie liegen
und sie liegen oft
besonders
wenn sie stehen

sie umkreisen alles
schatten orte und niederlagen
sie verlangen nichts

sie lachen jede finsternis weg
sie die schon lange verschwunden sind
entfernen alles
was zurückkommen will

das gähnen verschwindet
sie tauchen ein in das große naschwerk der liebe
sie hören einen vogel zwitschern im flug
sie hören die nachbarin nach ihren kindern rufen
die kinder wollen keine jacken tragen
für sie sind jacken viel zu sehr in der welt
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