2
Mai
2008

er wollte salami kaufen

hinunter zum flur
dann zur küche
in der ein hund in den boden versank
weil er plötzlich miaute
bäume waren unten
die wurden frisch gestrichen
morgen würde der bürgermeister kommen
um sich alles anzugucken hatte er sich extra
ein fernglas kommen lassen

er ging los
fast im frack
aber dann doch bloß mit hut
spazierstock
pulli oder t-shirt
graue sentimentalhose
er beäugte die strasse
er hatte sie gerne
zumal wenn sie leblos war
immer hatte er dann das gefühl sie gehöre ihm
ein paar kinder verkauften salzstreuer um ihre eigene familie vor der armut zu bewahren
aber niemand kaufte sie
da weinten sie und
gingen zu ihm
er aber schüttelte den kopf
das war herzlos
das wusste er

er wollte salami kaufen
wenn er glück hatte brauchte er nicht anschreiben
aber anschreiben war ohnehin nicht
die zeiten fürs anschreiben waren vorbei
aber nicht fürs einschreiben
er wäre beinah gegen eine frau gerannt
die hatte ein einschreiben in der hand
ihr liebster fragte sie in dem einschreiben was sie von der fortpflanzung hält
endlich hatte er den laden erreicht
salami dachte er
ich kaufe salami
aber als er sah dass es soviel verschiedenes gab
war er unsicher
vielleicht wieder zurück
die gedanken sortieren und wissen was man möchte
kääse rief eine frau in einem stillen matosenanzug
sie hatte einen kaffeefleck auf der nase
aber das konnte man nur erkennen wenn man dicht bei ihr stand
er stand dicht bei ihr und sah den kaffeefleck
er tat so als sehe er ihn nicht
doch er sah ihn
käse rief sie
aber meine dame rief die bedienung
der herr ist dran
aber ich weiß was ich will
rief die frau
ihr matrosenanzug war hübsch
konnte man dass so sagen
ihr matrosenanzug war hübsch
es war Dienstag
kinder wurden geboren und sahen zum ersten mal in eine welt mit der sie nichts anfangen konnten
bilderrahmen fielen um
schokolade wurde gestohlen
die nacht aber gehört den vögeln
die ihren schlaf wachhielten damit sie
während sie träumten immer wussten
wohin sie am anderen tag fliegen
salami dachte der mann und schob seine
augen zur seite
die sahen nämlich dauernd auf dem kaffeefleck
und er wusste doch dass es nicht sein durfte
dass er nicht auf den kaffeefleck sehen durfte

es war wie in den unveröffentlichten gedichten
von hans-jürgen seiselt...
erst schuf gott die erde und dann kümmerte er
sich nicht mehr drum

er schwieg
er dachte
wenn ich schweige
werde ich es bald wissen
er schwieg
er schwieg sehr lange
aber er wusste es immer noch nicht
die frau
mit dem kaffeefleck auf der nase
starrte ihn an
sie dachte
vielleicht ist der mann krank
und braucht eine salbe

sie nahm ihn mit
sie hatte keine große wohnung
aber sie rieb ihn mit der salbe ein
er sagte
du hast einen kaffeefleck auf der nase

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