Blaue Blume

19
Feb
2008

sehr geehrter herr queneau,

Keramiplast-v-u-schraeg-KaRe-001 *



wie ich ihnen bereits mitteilte lernte ich meine erste frau in paris in einem
handschuhgeschäft kennen. ich ging in dieses handschuhgeschäft weil es
auf meinem weg lag.
damals war die welt noch da, es machte mich rasend, aber wie könnte ich ihnen das schildern, ohne dass es mich quält.
meine frau hatte damals immer diesselben schuhe an, auch ich hatte immer dieselben schuhe an, das war unsere erste gemeinsamkeit. manchmal redeten wir darüber, aber meistens schwieg einer von uns zweien, ich meistens.
ich hatte in paris nicht viel zu schaffen, ich hatte in paris sogar sehr wenig zu schaffen, ich wollte nur in dieses handschuhfachgeschäft um meine frau kennenzulernen.
vielleicht war es auch nicht meine frau. auf jedenfall war es eine frau und sie kam aus den selben gebieten wie ich. manchmal krochen wir aus diesen gebieten heraus und dann ging es uns richtig gut.
wir bemühten uns die leere in unseren augen zu füllen, das war schwer, meist war es herbst geworden, bis wir endlich lachten.
wir sahen dann wie begnadete aus die ihr stirnband wechselten, wann immer sie wollten.
schnee gab es damals und viele die behaupteten es würde ihn immer noch geben lebten nicht mehr und konnten sich deshalb niemals mehr eines besseren belehren.
ich sage es ihn gerne noch einmal. ich war niemals in paris gewesen. es hatte sich nie ergeben. ich war mal von der tochter eines teppichverkäufers nach paris eingeladen worden und natürlich ging ich hin.
wir saßen in diesem cafe in dem alle saßen, ob gertrude stein, picasso oder sie, am ende saß sogar hemingway dort. manchmal schien es uns, er sitze dort immer noch und bestelle ein espresso nach dem anderen.
ich war damals der sohn des messerschleifers lümmerling. der wann immer er zeit hatte in den keller ging um dort an seinen roman zu schreiben.
natürlich ging es um einen matrosen der noch nie die welt gesehen hatte, oder das was man im allgemeinen dafür hält
ich brachte es auf neun lenze bis ich endlich ein rad geschenkt bekam. es war olivengrün und es war eine lüge dass es olivengrün war, später würde ich über diese kleine lüge nachdenken, später wenn ich den teller voller erbsen und karotten habe und gar nicht mehr weiß wohin mit meinen blicken.
es war grün gewesen und ich ging laut pfeifend über diese ampel. den ganzen morgen über hatte ich schon gute laune und das kümmerte mich, besser, es bereitete mir kummer. ich fragte mich, ob das so blieb. unruhe befiel mich. ich befahl mir aufzuhören mit dem pfeifen, aber ich hörte nicht auf, ich pfiff immer weiter.
dann sah ich sie. sie hatte etwas von einem heiligen geist, dunkle augen, ihr anlitz war so vernichtend schön dass man sie sofort wieder vergessen musste, oder man war auf immer verloren. ich vergaß sie nicht und nun streune ich umher, pfeifend und nicht wissen wohin mit meiner fröhlichkeit.
ich würde sie gerne etwas fragen. wenn man die nase tief in ihre romane steckt, hat man immer den gedanken, dass man sich am liebsten neben einen ihrer romangestalten sitzen möchte um ihn anzupumpen. ist das nicht schrecklich. dabei haben die meisten ihrer helden das geld in ihrer hosentasche so bitter nötig wie andere......
später erwachte ich wieder nicht neben ihr. das war geschickt eingefädelt von der natur. ich machte mich zum affen. ich hörte nicht auf sie anzuschauen und sie schien es nicht einmal zu bemerken um sich darüber lustig zu machen.

diese alberne geschichte mit dem handschuhgeschäft.
damals dachte ich das leben könnte sich doch noch zum guten wenden. ich stellte mir die rüstungsindustrie vor, die nicht auf das ende der tage zählte, ich stellte mir das wort gewinnoptimierung vor wie eine landschaft aus denen die tränen der reichen auf uns niederprasselten wie schnee auf eine mondlandschaft.

ich träumte mir einen schmetterling herbei.
ein großer schmetterling mit schmalen knochen.
ich stellte mir vor wie er hungrig vor mir stand.
er sah mich an, wie man es ihm wahrscheinlich gelehrt hatte.
na alter, sagte er, kommste nicht weiter bei ihr.
ich jaulte. keinen schritt.
wie seltsam mir das später vorkam. ich hatte mich mit einem schmetterling unterhalten, aber wie geschah es dass ich im nächsten moment daran zweifelte, war es wirklich ich der da zweifelte und worüber zweifelte ich, das brachte mich zu einer neuen verzweiflung und kaum kehrte ich der den rücken zu tauchte eine neue auf.

eine nacht, alleine in einem zimmer. die schöne erwacht. sie ist noch müde. sie streckt sich. sie weiß dass sie jetzt los muss. ihr mann kämmt ihr noch das haar, legt schokolade ins auto. schaut ihr hinterher. die augen hat er nur bei ihr.
diese landschaft möchte ich fotografieren. wie sie aussteigt um in den zug zu steigen. wie sie über ein sehr waches buch gähnt.
leere blickt hinaus, sie füllt diese leere, sie braucht ja nur hinzusehen und schon ist alles wieder da.




* und abermals schlägt Katja einen hohen Bogen und ein Schmetterling lacht daraus

17
Feb
2008

Der zahme Schmetterling

SchmetterlingKaRe-6 *


es war Nachmittag
er hatte den ganzen tag keine blume berührt
das war schwer
es war herbst
er mochte den herbst
aber er hatte schon den ganzen tag keine blume berührt
er liebte den herbst
er mochte es wenn die grauen fassaden der stadt alles überragte
wenn das grau in die flüsse zog
und jeder von seinen augen redete die alles graue in sich einzogen
da war dieser Nachmittag und der himmel war grau
er hatte den ganzen tag keine blume berührt und das sah man ihn an
er war weniger flatterhaft als sonst
er fragte sich
wach ich jetzt auf
werde ich die ohren spitzen und mich fragen
wer erzählt diesen traum; bin das noch ich oder ist das irgendein optimistischer eisverkäufer im herbst
im herbst wo die nächte erfüllt sind von eingerosteten sätzen
von dem wagnis die dinge anzunehmen wie sie sind
das alles grau ist findet der schmetterling nicht schlimm
es ist ein gewinn für den fensterlosen
den grashüpfer
es ist ein gewinn für das wasser das selten in den flüssen gezählt wird
da war dieser traum
er zählte auf ihn
er dachte wenn ich morgen wieder keine blume berühre
werde ich mich in ein sinkendes schiff verwandeln
und so geschah es dann auch




*= und wieder ist es katja die hinter diesem bilde steckt

der blaue schmetterling

SchmetterlingKaRe-4*


das ist der berühmte
sagte eduard zu seiner
tomita
tomita war glücklich
endlich einer der ihren
namen aussprach
sie nickte griff sich seinen arm
und fragte
gefällt dir das bild
oh machte eduard
und noch einmal oh
bei allen zinnobern
ich habe deine brust berührt
aber es war nicht so gemeint
ach machte tomita
das war nicht meine brust
das waren meine fühler
fühlst du sie nicht
hinter deinem gesicht
seh ich das erwachen
du
mit deinem meisterbrief um die schulter
was sagst du zu diesem schmetterling
ist das noch ein schmetterling oder träumt er vielmehr ein schmetterling zu sein
ein paar matrosen tauchen auf
sie liebten das wort ausstellung und plötzlich waren sie drin
sie sahen auf das bild und einer sagte
sie lächelt rief er
sie lächelt mich an
ich muss sie fragen wann sie zeit hat
wann wir wandern gehen
oder den zugvögel zuschauen
zugvögel sagte tomita und machte eine handbewegung
das sind doch keine zugvögel
keine zugvögel räusperte der matrosen
eduard stolperte
er wäre beinah auf sein knie gefallen
es ist herbst sagte er
und er flüsterte der tomita ins ohr
kennst du das gedicht von rilke auch
es wird zeit oh herr
die großen bäume auf die laster
die oliven frei von obst usw.
tomita schüttelte den kopf
die augen hatte sie nur auf den schmetterling
der war blau als hätte er gerade
eine blume gegessen
eine blaue blume



* und wieder eine wunderbare Zeichnung von Katja

Ein Schmetterling?

SchmetterlingKaRe*


bin ich... klein leicht frei wie ein lamm; bin ich grob laut
bin ich zu sehen
oder wache ich auf
steile stellen sind da
ein geruch von einem tag
etwas helles
und doch
suche ich die nacht
falle in den traum
wander umher
gläsern
geräuschlos
ohne fenster
ohne tag
ohne himmel
nur im traum erwache ich
fliege davon
suche die nacht
die fallende sehnsuchtsvolle
die unruhe in mir verleiht flügel
aber bin ich das
bin ich es der nicht weiß
ob ich das bin der beflügelt von seinen flügeln
und trotzdem nicht weiß
bin ich der schmetterling oder ist es der traum
der dem schmetterling träumen lässt er sei ein schmetterling
einer der im traum den traum festhält
der sich festbeißt
nicht will dass man erwacht
aus angst er
könnte platzen
in den räumen
den zwischenräumen
dort wo die flügel der schmetterlinge vom erwachen träumen


* ein flügelhafter schmetterling von Katja gemalt

15
Feb
2008

flügellos

schmetter1*


ohne zwirn und verstand legt er los
den rücken in der hand flötet er
treffen wir uns unten im hof
dort unten ist der traum
angelehnt an einer ecke
er weiß er ist nur ein traum
der die zähne zusammenbeißt und glaubt
die flügel die ihm gewachsen sind ........gehören ihm und der rest wäre der schlaf der ihm begegnet und den er kaum erkennt

die verstecke überdauern
in jedem traum steckt eins
und immer fängst du an
dich zu fragen
bin ich es der hinter dem traum steht
und darauf wartet dass er erwacht
oder ist es der kaum merkliche schatten
der hinter mir steht
und darauf wartet
dass endlich etwas passiert

da fliegt er davon
der flügellose schwimmer
der tauchende abseiler
das maßband hinter der hand
das über dem traum wacht

die gruben wachsen tief
und die stunden
wer hat bloß
die stunden erfunden
die erreichbarkeit verschwindet
hinter den worten eines abgesandten

der schmetterling fliegt in gleicher höhe
mit dem himmel
er weiß
es gibt diesen himmel nicht
er ist nur eine strophe die bereits
hinter ihm liegt



*= der schmetterling wurde gezeichnet von H.Eiter....

12
Feb
2008

der blauer blume schmetterling

schmetterding_uno*


bin ich es noch
oder
bin ich es

bin ich das lachen
dass ich erkennen kann
das vor mir steht...

und keine bedingungen
und nichts dafür
keine reste
kein aufschub

bin ich das
der dort
hinter den gräsern wächst
dort wo die clowns über
die ordnungskräfte kichern

die nacht hat immer einen vorsprung
vor sich selbst
sie erkennt meine dünne haut nicht
sie weiß nicht dass ich farblos bin
dass ich erst in mein blau erwach
wenn ein schmetterling sich mir nähert
einer der nicht sicher ist
träumt diese blume
oder ist das jetzt das erwachen?



+= diese wundersöne Schmetterling stammt von gelbdirk

der schmetterling

schmetterling*


ich kann nicht mehr fliegen
sprach der traum
ich schlaf nicht mehr ein
sagte der schmetterling
er schlief aber doch
denn als er erwachte
war er kein schmetterling mehr
oder er glaubte nur er wäre keiner
aber er war einer
er konnte es nur nicht sehen

ich kann nichts mehr sagen
sagte die erinnerung
ich schlaf nicht mehr ein
sagte der schmetterling
es war tag
aber dann wieder nacht
im dorf wartete der traum
auf die flügel
die ihn beibrachten
überall hinzukommen
selbst dort wo nichts war
außer ein paar kastanien
die davon träumten in wachen nestern zu liegen

abgestaubt wurde der traum von seinen flügeln
er erwachte nicht
er glaubte immer noch er schlafe und wisse nicht war er nun ein schmetterling
oder war er nur ein reisender der glaubte davon träumen zu müssen
ein schmetterling zu bleiben oder zu erwachen und hinter
die speisegitter zu sehen
aber was er dort sieht
kann er nicht erkennen
denn schmetterlinge sehen nicht gut



= ein schmetterling ausgezeichnet gezeichnet von Sue

11
Feb
2008

Gino

Gino *


gino war der erste schmetterling
der wusste dass er ein schmetterling war
leider träumte gino nur
er träumte nur dass er ein schmetterling war
und wusste dass er ein schmetterling war
die wirklichkeit war ein kühler traum
er wachte auf und war ein schmetterling
aber er wusste nicht dass er einer war

gino war cool
er biß in die nacht
deshalb wurde sie nicht ganz so schwarz
wie sie es gerne gewesen wäre
gino war klug
er kannte alle tiere auswendig
er wusste nicht immer wer sie waren
aber er kannte sie alle auswendig und das war unerhört

gino war klasse
wenn der morgen kam sang er
er sang so laut dass es fast einer hörte
aber sein gesang verschwand jedes Mal
vor den ohren der waldtiere und der neurotiker

gino seufzte als er erwachte
er hatte oft das gefühl das sei gar nicht er der da erwache
sondern ein schmetterling



*= nach einer sehr wirklichkeitsnahen zeichnung von susanne

ein schmetterling und eine blaue blume im gespräch

fly*


was ist dir das du nie nachdem du bei mir warst bleibst
ist es stolz oder ist es das meer an mehr...sind es die kommenden
jacken die dich rufen, der gestank der eisenbahn kann es doch nicht sein...

glaub mir, es ist der traum, der hält mich fest, der bindet mich nicht los, es ist das unwahrscheinliche, die magie, es sind die tropfen die mir auf die flügel fliegen, es ist die nacht in der es jeder eilig hat in seinem traum zu verschwinden, auch ich verschwinde schnell, lande in dir und falle auf dich herab, es ist wie ein trommelfeuer, wie ein geheimes geheimnis. niemals entdeckt niemals befleckt es ist dieser moment, in dieser momentlosen zeit, es ist diese andacht, dieses halbeherz mit dem ich versuche still vor dir zu stehen, dich zu begleiten,....

als hätte ich jemals nicht hinter den linien gestanden, mich immerzugefragt, woher kommt dieser und jene moment, immer stellte ich mich zwischen die gräser, dich sehend, dich sehend wie du zweifelst, immer deine lippenfrage, deine frage ob du ein traum bist, ein traum der in einem traum verstrickt nicht weiß ist es ein traum oder ist der traum im traum verwandelt und immer wenn du erwachst hast du das gefühl du bewegst dich als wäre noch alles dort und du hättest es nur verlassen weil du es nicht verlassen kannst...

aber all die sätze, all diese kugelschreibergeschriebenen worte, hingetreten in die tastatur, all die nächte in denen die sonne wankte, nicht wusste was sie uns schenken sollte und schenkte uns nichts ausser ihr licht, das war die wirkliche, jene die uns auch im traum betrachtet wenn wir hoffen das wir in all unsere geheimgänge dringen können und flatterhaft wie wir sind bewegt sich nicht ausser die idee körperlos beflügelt hin und her zu schwengeln, im kopf ein fieber der alle barrikaden verbarrikadiert....




*= die zeichnung stammt von der wunderbaren Winnie

Margarinefly

Margerinefly
(blaue Blume Zyklus)


die zeit verrauscht
sie ist bartlos
als hätte man es vorausgesehen
sie ist bartlos

du erinnerst dich
damals waren wir knülle
wir dachten das wären wir

wir riefen
sind wir schmetterlinge
oder ist es der traum der uns kennt
der weiß das wir schmetterlinge sind

damals als wir in die zeit hineinkrochen
flüsterten wir oft nur zum spaß
du tropfen meiner eisigen glut

die nacht
sie war silbern verschmiert
als ginge es ihr ums ganze

du bist längst verlassen worden
vom erwachen eingezäunt
scheust dich
mich zu rufen
du blaue blume du
schiebetüren erwachen
und machen sich breit wie flügel

ausdehnend und süß



* der schmetterling wurde gezeichnet von Peter Schomber
logo

Der Himmel ist überall

Counter

Meine Schätze


Thomas Pynchon
Gegen den Tag


Elfriede Jelinek
Die Kinder der Toten.


António Lobo Antunes, Maralde Meyer-Minnemann, Maralde Meyer- Minnemann
Geh nicht so schnell in diese dunkle Nacht.


Leo N. Tolstoi, Leo N. Tolstoj, H. Röhl
Anna Karenina


Alexander S. Puschkin, Alexander S. Puskin
Jewgeni Onegin.


Salman Rushdie, Karin Graf
Mitternachtskinder.


Gertrude Stein, Franz E. Walther
Die Welt ist rund


Gabriel García Márquez, Curt Meyer-Clason
Hundert Jahre Einsamkeit.






Michail Bulgakow, Ralf Schröder, Thomas Reschke
Der Meister und Margarita.


Thomas Bernhard
Auslöschung. Ein Zerfall.



Fjodor M. Dostojewski, Hans Ruoff, Richard Hoffmann
Die Brüder Karamasow


Marcel Proust, Luzius Keller, Sibylla Laemmel, Eva Rechel-Mertens
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit 1-7



Archiv

Juli 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
10
11
12
13
14
15
16
17
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 

Raymond Queneau
Blaue Blume
christine lavant
das summerische tagebuch
Der magische Realismus
der zwirnvogel
Die Bearbeitung des Heizstuhles (Gedichte in verschiedenen Fassungen)
eine frau
Elke erzählt
erinnern
Frühstück im freien
Gregor Samsas Krabbelgedichte
Heinz
Mein kleines Tagebuch
Meine DichterInnen
Strichmännchen
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren

kostenloser Counter