Gregor Samsas Krabbelgedichte

16
Jul
2007

gregor samas krabbelgedichte

(1)

wenn ich auf den bahnhöfen nicht immer so hungrig wäre
wenn ich wie jeder andere...durch die stadt
durch die strassen
wenn ich bloß endlich pause machte
um in die luft zu sehen
den augen zu trauen die das nächste
unwetter bereits voraussehen
wenn ich bloß nicht immer so traurig wäre
an den schildern vorbei die ich begreife
die ich aber nicht begreifen will
alles am morgen ist schon tag
ich werde diesen satz in eine schatulle stecken
ihn wieder vergessen und auch vergessen
dass es eine schatulle gibt
wenn ich nicht so hungrig wäre
ich triebe mich nicht den ganzen tag in der nähe der tauben herum
den tauben ist es an manchen tagen so egal was sie essen
sie vergessen es noch ehe sie es schlucken
deshalb pieken sie auch schon wieder nach dem nächsten bitteren korn
aus angst
sie könnten auch das wieder vergessen
schlucken sie es schnell hinunter
und können sich schon nicht mehr daran erinnern
ach wie klein die augen der herabsinkenden sind
die
die man in der stadt nur wie einen tauben ton wahrnimmt
die klarheit die in den ecken liegt
an die man nicht drankommt weil man angst hat
dass ein andere es merken könnte und sie dir wegnehmen wird
zwischen den orten zu liegen
die hälfte vom leben gehört schon nicht mehr dir
nur die pausen und das krabbeln
das sich immer zu anfühlt
als würde man vor etwas fliehen dass im
nächsten moment deinen ratlosen blick begreift
all das
was man am tag nicht sehen kann
verschwindet mit der nacht
so auch ich der immer gerne an den bahnhöfen herumkrabbelt
und nur die vorstellung die tauben könnten mich verwechseln
und ich könnte diesen letzten atemzug in ihrem schnabel verbringen
läßt mich lächeln
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