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Texte aus dem Hörbuch

11
Mrz
2009

Elke erzählt

es wäre grotesk zu behaupten das ich nicht im zug sitze
dass ich zum beispiel in einem ziemlich guten kleid neben einem ebenso gekleideten herren sitze
das wir von zügen reden die ankommen und wieder wegfahren
deren räder sich immer in die falsche richtung drehen
ich sitze also mit einem gutgekleideten mann in einem cafe
in der nähe könnte ja das meer sein und man sagt lustige sachen wie
wie wär’s wenn wir in die kirche gingen oder
geben sie mir doch noch was von dem obstsalat
aber kein meer weit und breit und auch kein cafe
aber ein mann schon
ein mann und eine frau und ich
ich heiße pinochia
ich darf nicht lügen sonst wachsen meine gedanken ins unermessliche
ich trage eine mütze mit der ich verschwinden kann wann immer ich will
aber ich weiß schon; euch realisten ist das zu unrealistisch
ihr möchtet lieber auf dem mond landen
und dort wohnen
euch mit müslibrei eindecken und sonntags immer hinunter auf uns gucken die wir dasitzen und nicht wissen wohin mit unserer zeit
kleine unwissende die zu euch schauen und sich fragen
ob die dinge die man sich ausdenkt wirklich manchmal so sind wie geborgtes geld
man kriegt ja nie das zurück was man ausgeborgt hat

10
Mrz
2009

Elke erzählt

gestern abend sind uns die worte ausgegangen
erinnerst du dich rüpel?
bist gar kein rüpel
liegst da wie fremde so liegen
kennst dich nicht aus
weißt nicht wo die zahnbürste liegt
wo sich das klo befindet
alles musst du ertasten
könntest auch fragen
deine lippen blicken mich noch ratlos an
trauen dem schlaf viel mehr als diesen morgen
stell dir vor rüpel
der morgen ist aufgestanden und hat sich auf den weg gemacht
alles ist wie immer
die selbstmörder stehen am rand und manche von ihnen sterben wirklich
andere erwachen und bleiben für immer zusammen
für immer
kannst du dir das vorstellen?
ich verzichte auf die ewigkeit wenn ich noch nicht mal das JETZT haben kann
die stadtrandkinder packen ihre rabattmärkchen aus sie werden dafür
steinschleudern bekommen
in drei monaten werden wir uns nicht mehr betrachten
du wirst ab und zu noch briefe schreiben aber auch das hört auf
nichts wird mehr von heute übrigbleiben
das konnte man schon gestern sehen
und trotzdem betraten wir den raum
und trotzdem bewegten sich unsere schatten
vollführten sie tänze; bewegungen; wir kreisten sie ein
wir liessen sie nie alleine
alles gehört der ewigkeit besonders wenn man sie wieder vergißt
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