[>>]

herr m

10
Feb
2009

endlich war herr m glücklich

er wachte morgens auf
sah aus dem fenster
erinnerte sich an seine socken
zog die an
sah auf die uhr
sah auf den fussboden
nahm das radio
nahm es vom schrank
stellte es in den schrank
er verliess die wohnung
den treppenflur
das haus
die strassen
er ging in eine bank
sagte
ich hätte gerne eine summe
man gab ihm diese summe
er nahm die summe
steckte sie unter dem hut
aber erst musste er ihn kaufen
er nahm also die summe
und steckte sie unter den hut
aber erst musste er ihn kaufen
er ging los und kaufte sich den hut
dann nahm er die summe und steckte sie unter den hut

9
Mrz
2007

herrn m denkt über das leben nach

: na, wieder aufgewacht. du stummer greis.
wo ist der eimer voller kreide den du wieder schlucken musst um alles zu begreifen,
um es einzuseifen hättest du ein bißchen besser aufpassen müssen, jetzt ist es zu spät.
besser nicht daran denken. dabei fing alles doch recht vielversprechend an, keiner war sauer als du geboren warst, anfangs gab es sogar welche die dich entzückend fanden, aber das muss an etwas anderem gelegen haben.
fang den staub auf, der nach draußen will, ich möchte dich nicht wieder jammern hören, dass du so alleine bist, was machen deine drei töchter, sie spielen irgendwo etwas ein, sie können alle drei ausgezeichnet geige spielen, woher sie das haben geht über deinen verstand oder du möchtest ihn einfach nicht anerkennen, jenen tag als jutta, deine jutta neben diesem musiker stand, er hatte so sanfte hände, überall könnte sie das noch spüren, sagte sie. wie zärtlich sie war in diesen tagen, so zärtlich war sie danach nie wieder und du hattest wirklich gedacht, es läge an deiner art zwiebeln zu schälen, lächerlich.
komm trink einen auf deine art, sie wird vielleicht wiederkommen und alles bemerken, dass das glück nämlich niemals das glück ist, dass das glück nämlich immer das ist woran man sich am meisten stößt.
was sagte sie zuletzt, es ändert sich nichts bei dir und dann zog sie ab und die drei kinder blieben da.
sie sollen einen vater haben, hatte sie gesagt und du hattest natürlich genickt, weil du dass sehr vernünftig fandest.
aber damals hattest du wenigstens noch einen job, du warst lagerarbeiter, auf dich war verlass, du nahmst niemals drogen, keiner konnte das verstehen, dein chef sprach mit dir, er fragte dich lächelnd, ob du niemals erwachsen werden willst. du kamst dir vor wie ein kaninchen auf lauerstellung. wie düster das alles war und es wurde noch düsterer, denn du wurdest entlassen, alle wurden entlassen. du fandest keinen job mehr, die anderen auch nicht. du hörtest von diesem lokal, dort konnte man suppe essen, sehr preiswert.
deine töchter wollten von der suppe nichts wissen, sie wollten karriere machen. sie haben karriere gemacht und jetzt sind sie die besten geigenspielerinnen der welt, sie spielen nur noch in den besten häusern, du weißt manchmal gar nicht mehr wie sie aussehen, wusstest du es je.
alles lief an dir vorbei, alles und jetzt schliess das fenster schnell, sonst jammerst du wieder den ganzen tag wie einsam du bist.

22
Feb
2007

herr m und der mittagsteller



geschah etwas würde man es sofort wieder vergessen
geschah etwas nicht erinnerte man sich noch jahrelang daran
so erging es herrn m an irgendeinem tage
so ergeht es den menschen überall auf der welt

unsere geschichte fängt nirgendwo an und sie sehen ja selbst
es ist ja keine geschichte
es herrscht das zeilengesetz
immer vier zeilen und dann absatz

herr m liebte es mundbonbon zu sagen
an diesem tag im lokal tat er es oft
historisch oft wie er sagte
wie er es in sich hinein sagte

sehen sie
das wäre beinah ein dreier gewesen
ein dreier; eine scheusslichkeit
ein dreizeiler in einem gedicht; nichts ist grausamer

fangen wir also an
es gab einen alten traktorfahrer
der war so alt
dass er nicht mehr traktorfahren durfte

wie machen sie das wollte herr m wissen
er wollte es innerhalb der vierzeilen wissen
aber innerhalb der vier zeilen
war kein platz für eine ausreichende antwort

sie wollen doch eine ausreichende antwort
´fragte der alte traktorfahrer
er hatte eine menge erfahrungen
mit ausreichenden antworten

natürlich
sagte herr m
herr m war jetzt ungeduldig
die suppe war noch nicht da und es war nicht sicher ob es eine gäbe

das gerücht ging um
der koch sei betrunken
aus liebeskummer betrunken
aus liebeskummer rief der traktorfahrer

wissen sie wie weit ich vom liebeskummer entfernt bin
fragte der alte
er hatte sein traktor im hinterhof geparkt
im hinterhof dachte herr m und ich dachte er darf nicht

ich darf nicht mehr traktorfahren weil ich auf den tod warte
sie kennen den tod nicht wahr
ich darf nicht mehr fahren
sie sagen der tod vertrage das traktorfahren nicht

sie sagen es im vollbewusstsein ihres denkens
sie sagen es vollmündig
gerade so als würden sie mir etwas sagen
dass ich nicht selber weiß

alles wollen sie jetzt besser wissen
und dass nur weil ich nicht mehr traktor fahren darf
und warum darf ich nicht mehr traktor fahren
wegen der vierzeiler darf ich nicht mehr fahren

nicht mehr traktorfahren wegen einem vierzeiler
das ist lächerlich
mehr als lächerlich
das ist eine tragödie und deshalb ist es lächerlich

aber sagte herr m
sie sagten doch wegen dem tod
sie sagten doch zuerst sie dürften nicht fahren
weil der tod das traktorfahren nicht vertrage

was geschieht denn dem tod wenn er traktor fährt
wollte herr m wissen
die suppe wurde immer noch nicht gebracht
noch immer nicht..rief herr m in sich rein

an den anderen tischen war das geräusch
von zornigen löffeln zu hören
von silber und von holzlöffeln
ja einige hatten holzlöffel

die würden gut brennen wenn man sie abends in den ofen wirft
die würden kurz aber gut brennen
aber man wirft sie nicht
man würde es ja nur bereuen hinterher

der alte sagte
der tod verstehe nichts vom traktorfahren
und deshalb rutscht er immer auf die seite des fahrers
und bringe den fahrer damit um

herr m klatschte in die hände
so war es immer rief er
der tod rutscht aus
und andere müssen dran glauben

19
Feb
2007

Herr M wird fünfzig(1)

herr m wacht auf
dabei war der wecker nicht gestellt
der wecker war sonst immer gestellt
aber ausgerechnet heute...
er steht auf
geht ins bad
schaut in den spiegel
denkt
einmal möchte ich der mann hinter dem spiegel sein
er lacht
aber nur kurz
dann zieht er sich aus
schaut sich an
nicht sehr lange
seufzt
aber das macht noch lange kein geräusch
geht unter die dusche
denkt
jetzt duscht hier ein fünfzigjähriger
er lacht
nur kurz
dann geht er aus der dusche
trocknet sich ab
geht nackt über den flur
er bekommt kurz einen steifen
er lacht
kurz
er denkt
abwesenheit ist etwas anderes
geht in sein schlafzimmer
zieht sich an
geht in die küche
schaut aus dem fenster
denkt
nichts
läßt wasser in den erhitzer
er denkt über das wort erhitzer im zusammenhang mit dem wort steif nach
lacht
kurz
nimmt kaffeepulver
wirft drei löffel in ein gefäß
nimmt das kochende wasser
schüttet es hinein
denkt kurz über das wort hinein nach
er lacht
jetzt länger
er setzt sich auf den stuhl
drückt ein teil des gefäßes hinunter
er weiß immer noch nicht wie dieses werkzeug heißt
er lacht
er lacht über das wort werkzeug
er schlürft
denkt
ich gehe heute früher suppe essen
draußen hört man das geklapper von briefkästen
in einem wird eine postkarte von seinen drei töchtern sein
sie werden ihm alles gute wünschen
und ihm werden die augen brennen
vor lachen

Herr M wird fünfzig (2)

im briefkasten eine postkarte
ein blauer see in der mitte ein runder kreis
wie dumm
denkt er
kreise sind immer rund
er lacht
nur kurz
dann stöhnt er
seine drei töchter wünschen ihm alles gute
er steckt die karte ein
hinunter zur strasse
vorbei an dem denkmal für den unbekannten soldaten
wie oft schon an ihm vorbei
damals
er war noch ein kleiner junge
fragte er seinen opa
wer ist das
und der opa sagte
das bin ich
und er glaubte es
und weinte die ganze nacht um seinen toten opa
er muss lachen bei dem gedanken
passanten drehen sich nach ihm um und halten ihn sicher für verrückt
so wie alle passanten verrückt sind so halten sie auch ihn für verrückt
alle passanten halten sich gegenseitig für verrückt
aber sich selbst halten sie für gesund
auch der halbblinde mit dem taubstummen apfel in der hand
der seine hand festhält die betteln will
die um ein bißchen mehr betteln will
aber er nimmt sich zurück
reißt sich zusammen
und auch das ist verrückt
sich zusammenzureissen

vorbei an dem denkmal des unbekannten soldaten
als er mit seinem opa hier entlang ging
fast jeden tag hier entlang ging fragte er den opa
ob er sich vor schlangen fürchte und sein opa sagte
sprich nicht so mit mir
er holt die postkarte hervor
schaut sie an
sprich nicht so mit mir
ein runder kreis
dazwischen ein see
dort leben sie vielleicht
inmitten des runden kreises
er seufzt
er ist jetzt in der nähe des lokals
er lacht
heute werde ich suppe bestellen wie ein fünfzigjähriger
und er setzt sich hin und bestellt suppe wie ein fünfzigjähriger
aber die bedienung erkennt keinen unterschied

Herr M wird fünfzig (3)

er stellte sich einen langen tag vor
einer von denen die nie vergehen
du hustest stündlich ein mal
es fällt gar nicht auf das tropfen aus deinen augen kommen
das sind keine tränen
über die hast du eine schnur gelegt
herr m geht über die strasse
er ging gerne über die langen graden strecken
er bewegte gerne irgendein tier dass sich ganz kleinlaut auf der strasse versteckte weil es glaubte dass es dort am sichersten sei
herr m dachte an seinen hund
vor ein paar jahren tobte der noch herum
rannte über das feld
kroch in die pfützen und kam eines tages nicht mehr heraus
der korb liegt noch in einer ecke
manchmal wenn er ihn ansieht hat er den eindruck er würde gerne ersticken
aber die luft die ihn einholt läßt das nicht zu

fünfzig bin ich geworden erzählt er einer litfasssäule
die es gerne aufschreiben und anzeigen würde damit es die ganze welt begreift
aber sie bleibt stumm
so stumm wie das denkmal des unbekannten soldaten

das gesicht das nicht mehr staunen kann fällt auseinander
alles was die anderen sagen erreicht uns nicht mehr
was bleibt ist eine betrachtung die man manchmal ansieht
aber noch öfter vergißt

3
Feb
2007

herr m geht vor



ich bitte sie
sagt er
gehen wir doch hinein
er hätte es gerne gehabt
wenn sie ihn gedrängelt hätte
aber sie steht einfach da
beobachtet einen igel der am rand der strasse halt machte
warum macht er immer am ende der strasse halt fragt sie sich

er blickt unschuldig wie einer den man aus versehen mit haftbefehl sucht und dann war er`s doch
die wiesen waren straff oder sagt man besser sie waren kraftlos
er hätte sie gerne gefragt ob er sie in seine wohnung tragen dürfte
das licht fing beide ein
der mond brummt
soldaten sind unterwegs
dort wo sie hingehen wächst kein gras mehr

sie erkennt die farben seiner socken
sie denkt
es ist wie in diesem roman von tolstoi wo einem plötzlich das fieber überkommt als hätte es dich schon dein ganzes lebenlang gesucht

er würde gerne ihre hand nehmen und irgendwo hinlegen wo es keine andere berührung gibt

gehen wir doch hinein
sagt er
sie hört es und nickt

gehen wir hinein
denkt sie
und kommen wir nie wieder heraus


logo

Die unsichtbaren Schritte

Wörter sind Zahlen ohne Uniform

Nix

Suche

 

Topi

Counter


Ausspannen im Hotel Belek

Meine Schätze


Georges-Arthur Goldschmidt
Die Absonderung


Olga Tokarczuk, Esther Kinsky
Taghaus, Nachthaus.



Marguerite Duras
Der Liebhaber


Edward E. Cummings
39 Alphabetisch


Boris Schitkow, Rosemarie Tietze
Wiktor Wawitsch.


Claude Simon, Eva Moldenhauer
Die Akazie. SZ-Bibliothek Band 22


Herta Müller
Atemschaukel




Danilo Kis
Anatomiestunde


Jerome D. Salinger
Der Fänger im Roggen





Thomas Pynchon
Gegen den Tag


Elfriede Jelinek
Die Kinder der Toten.


Salman Rushdie, Karin Graf
Mitternachtskinder.


Archiv

November 2009
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 1 
 6 
 7 
 9 
11
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 

Musikliste


Goran Bregovic
Goran Bregovic´S Karmen


Ost, Goran Bregovic
Ederlezi

Goran Kayah & Bregovic
Kayah & Bregovic


Goran Bregovic, Bregovic
Le Temps des Gitans


Ton Steine Scherben
Keine Macht für Niemand


Udo Lindenberg
Stark Wie Zwei

Alle Links in Popups öffnen

alle Links auf der aktuellen Seite in einem neuen Fenster öffnen 

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this topic

twoday.net AGB

RSS Box

Status

Online seit 1379 Tagen
Zuletzt aktualisiert: So, 22. Nov, 11:42

gucke sie sich das mal an

Schneewittchen
schneewittchen hatte drei kinder die kinder waren schöner...
Sturznest - So, 22. Nov, 11:42

kostenloser Counter