tagebucheintrag

16
Mai
2007

tagebucheintrag

(irgendein tag)


wäre gerne zuhause geblieben
bin auch zuhause geblieben
aber nicht gerne

ich suche das weite
die entfernung ist mir nichts wert
ich werde noch ziemlich viel
nachdenken müssen
oder eben auch nicht
alles gerät zwischen den zeilen

gibt es eine dichtung die dich
berührt
ja die gibt es
die lese ich morgens
bevor ich anfange zu gähnen
die berührt mich
die wirft mich wieder zurück
und ich liebe es ein zurückgeworfener zu sein
selbst wenn das nur teil einer sehr geringen
wahrheit ist
so ist es doch ein teil
und es läßt sich nicht ermessen was
wichtiger ist
an das was man den ganzen tag glaubt
oder an das was einem auch zur verfügung steht

worte
so unterschiedlich
wie kreidezeichnungen
es sind
oftmal dieselben
weil man nur die benutzen kann
denen man vertraut
die man erkennt

wenn ich anfange von ihr zu reden
so ist es für mich immer noch so
als würde ich neben ihr sitzen und ich ahne
dass es nicht mehr weitergehen wird
das läßt sich leicht sagen
nach all dem ungewissen
nach all den klängen die man so hörte
aus einem selbst wie aus den anderen mündern
klingt das was man einmal sagte seltsam
wenn man es nicht mehr klingen lassen kann

was das vergessen so schwierig macht
ist dass man nicht ganz aus einem
leben verschwinden kann
man spürt die haut des anderen noch
nach jahren
die rätsel um all das
diese nähe die bereits vor den bahnsteigen begann
dieses sprechen
das aussprechen
das verlangen viel mehr als nur das zu sehen
was man an worten hat

und das meer setzt sich ans ufer und wartet
auf die sinflut
und die idee springt von kopf zu kopf
von irrtum zu irrtum
aber am ende sagt auch dieses gedicht das weit mehr
übrig blieb als ihr schweigen
es ist ein trost zu sagen
ich komme immer wieder zu dir zurück
in deinen texten
erscheint immer ein licht
und dazwischen sitze ich

die schienen werden abgetragen
die züge seilen sich ab
für sie ist das dasein zu einem
gefängnis geworden
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